Anlegerklagen
HRE-Prozess: Gericht verpasst Fonds einen Dämpfer

Rückschlag für Großanleger der Krisenbank Hypo Real Estate. Im Münchener Prozess um Schadenersatz in Höhe von 320 Mio. Euro sieht der Richter für die Klage einer Gruppe in- und ausländischer Fonds zurzeit keine Erfolgschancen. Deren Anwalt wirft der HRE vor, die Anleger systematisch über die Schieflage des Instituts getäuscht zu haben.

HB MÜNCHEN. Das Landgericht München hat einer Gruppe klagender Aktionäre wenig Hoffnung auf Schadenersatz von der Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) gemacht. Das Gerichte habe große Probleme mit der von Rechtsanwalt Andreas Tilp vertretenen Klage, die Ansprüche von in- und ausländischen Fonds in Höhe von 320 Mio. Euro umfasse, sagte Richter Matthias Ruderisch am Donnerstag. Haftbar sei die Bank nur, wenn sie kursrelevante Insider-Informationen nicht rechtzeitig an die Anleger weitergegeben habe. Die Klage, der sich Fonds aus Deutschland, Luxemburg, den USA, Kanada und Saudi-Arabien angeschlossen haben, sei in diesem Punkt nicht genau. „Die Klage ist im Moment nicht entscheidungsreif.“

Der von Tilp beanstandete Zeitraum von Mitte Juli 2007 bis Mitte Januar 2008, in der die HRE die Anleger über Probleme mit US-Wertpapieren falsch und zu spät informiert haben soll, sei nicht schlüssig, ergänzte Ruderisch. Er spiegele eher einen Abriss der Finanzkrise wider, die Mitte 2007 begann, mache aber nicht den Schaden für die Anleger deutlich. Die HRE hatte Mitte Januar 2008 völlig überraschend Abschreibungen im Volumen von 390 Mio. Euro vorgenommen, nachdem der Vorstand zuvor stets betont hatte, nicht von der Krise betroffen zu sein und gestärkt aus ihr hervorzugehen. Mittlerweile ist der ehemalige Dax-Konzern in Staatsbesitz und wird mit Hilfen von mehr als 100 Mrd. Euro gestützt.

Richter Ruderisch sagte, wie schon in anderen Verfahren von Kleinanlegern hätten nur Investoren Erfolgschancen, die zwischen Ende November 2007 und der Abschreibung, die im Januar 2008 einen Kurssturz an der Börse auslöste, Aktien gekauft hätten. Der Richter ergänzte, er wolle zudem das Verfahren aufspalten, um eine bessere Übersicht zu haben. Dadurch würden die Ansprüche der Fonds nicht gebündelt werden. Die HRE bestreitet die Vorwürfe und sieht zudem in vielen Fällen eventuelle Ansprüche verjährt.

In München gibt es derzeit bei sechs Kammern des Landgerichts 50 Schadenersatzklagen gegen die HRE. Um der Prozessflut Herr zu werden, hat der Gesetzgeber nach US-Vorbild eine Art Sammelklage im deutschen Recht verankert. Dabei wird der Fall eines Klägers exemplarisch für alle andern geklärt. Anlegeranwalt Tilp rechnet sich gute Chancen aus, den Musterfall durchfechten zu dürfen, da seine Kanzlei die höchste Schadenersatzforderung vertritt. Der Fall wird dann vom Oberlandesgericht und später vermutlich vom Bundesgerichtshof entschieden. Alle anderen Schadenersatzklagen ruhen solange.

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