Anleihen auf MTS
Handelsplattform öffnet sich

Die elektronische europäische Anleihehandelsplattform MTS will künftig auch Broker und Hedge-Fonds im Handel zulassen. Damit wird der Handel von Staatsanleihen für diese günstiger. Bisher müssen sich Broker und Hedge-Fonds die Papiere über Banken besorgen. Letztere stehen der Öffnung eher skeptischen gegenüber.

FRANKFURT. Künftig könnten sie zudem über MTS schneller handeln als bislang. Interesse an einer Zulassung haben schon Hedge-Fonds wie 3i Group, Citadel und Vega Asset Management angemeldet. Die Öffnung sei ein Zeichen für die zunehmende Reife des Marktes, sagte Ciro Pietroluongo, Chef von MTS, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Nach einer Studie der Beratungsfirma Bearings Point hat MTS im elektronischen Handel mit Staatsanleihen einen Marktanteil von 80 Prozent. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wickeln die Banken jedoch über das Telefon ab, der Handel an den Börsen spielt nur eine untergeordnete Rolle. Der Markt für Euro-Staatsanleihen ist rund vier Bill. Euro schwer.

Den Mehrheitsanteil an MTS hält die Borsa Italiana, die von der Londoner Börse übernommen wird. Weitere Anteilseigner sind rund 30 Investmentbanken, die auf MTS handeln. Von der Öffnung ist zunächst nur die Plattform EuroMTS betroffen, daneben gibt es noch in den einzelnen Ländern eigene Plattformen.

Banken sehen die Öffnung auf EuroMTS, über die schon lange diskutiert wird, mit Vorbehalten. „Es muss gewährleistet sein, dass für Banken und Nicht-Banken im Handel auf EuroMTS einheitliche Standards gelten“, sagte Mark Austen von der Bankenvereinigung European Primary Dealer Association (EPDA), dem Handelsblatt. Dabei geht es vor allem um die Verpflichtungen zum Market Making. Die Banken müssen nach den Regeln von MTS mindestens fünf Stunden am Tag An- und Verkaufskurse in engen Spannen stellen, bis auf Deutschland verlangen zudem die emittierenden Staaten ein uneingeschränktes Market Making auf den lokalen Plattformen.

„Wir werden alle Optionen genau prüfen, um zu gewährleisten, dass gleiche Regeln für alle Teilnehmer herrschen“, sagte ein Sprecher von MTS. Dabei sei auch möglich, dass die Banken von der Verpflichtung entbunden würden, An- und Verkaufspreise zu stellen. Dies sei aber schwierig, weil die meisten Emittenten auf das Stellen von Zwei-Wege-Preisen drängten, warnte Austen. Und über den Zugang zu EuroMTS könnten die Hedge-Fonds und Broker auch den Handel auf den lokalen Plattformen beeinflussen. Von daher sei es möglich, dass Emittenten künftig ihre Bonds auch verstärkt auf anderen Handelsplattformen wie zum Beispiel Eurex Bonds handeln ließen, sagte Austen.

MTS war vor drei Jahren in die Schlagzeilen geraten als Händler der Citigroup Schwachstellen im System für Marktmanipulationen ausnutzten. Mit der Zulassung von Hedge-Fonds steige die Gefahr, dass es zu neuen Verwerfungen komme, hieß es im Handel.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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