Argentinien
Erinnerungen an die große Krise

Die Zustände an den argentinischen Märkten werden immer chaotischer. Enteignungen verunsichern die Börsen. Viele Investoren reagieren ungehalten auf die Markteingriffe der Regierung.
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Wer in diesen Tagen die Calle Florida im Zentrum von Buenos Aires entlanggeht, fühlt sich wie in einem Film aus den achtziger Jahren: In der heruntergekommenen, einstmals elegantesten Einkaufsmeile Südamerikas bleiben die Läden leer und die Verkäuferinnen stehen rauchend vor den Eingängen - doch in den verstaubten Wechselstuben daneben, geht es wieder so lebhaft zu wie lange nicht mehr. In den Büros von Bargeldtransferunternehmen drängen sich asiatische Kunden - meist die Familienmitglieder der von Chinesen geführten Supermärkte der Umgebung - um Dollars in ihre Heimat zu überweisen. Auf der Straße flüstern halbseidene Geldtauscher Wechselkurse für den Dollar, die 20 Prozent über dem offiziellen Kurs liegen.

„Es ist unsinnig darüber zu reden, ob Argentinien einen gespaltenen Wechselkurs einführen wird“, sagt Daniel Volberg, Analyst von Morgan Stanley in Buenos Aires. „Argentinien hat ihn schon längst.“ Ursache für das Chaos: Seit Februar 2011 kontrolliert die Regierung den Devisenhandel, seit kurzem lässt sie jeden Import von Produkten einzeln genehmigen. Ausländischen Konzerntöchtern ist es verboten, Kredite, Dividenden oder Warenlieferungen an ihre Mutterhäuser zu bezahlen. Inzwischen nutzen Argentinier erfindungsreich die Börse, um an Dollar zu kommen: Mit lokalen Pesos kaufen sie Aktien von argentinischen Unternehmen, die auch an der Wall Street als ADR (American Depositary Receipts) gelistet sind. Diese tauschen sie gegen die gelisteten Aktien in New York und verkaufen sie gegen Dollar.

Die argentinische Regierung unter Präsidentin Cristina Kirchner reagiert inzwischen panisch. Denn seit Anfang letzten Jahres schrumpfen die Reserven Argentiniens stetig. Das ist für Argentinien besonders dramatisch: Das Land ist seit dem Zahlungsstopp auf seine Auslandsschulden vor mehr als zehn Jahren immer noch von den ausländischen Finanzmärkten isoliert. Es kann seinen nach der Umschuldung 2004 verbliebenen Verpflichtungen nur aus eigener Kraft nachkommen.

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Enteignungen aus Geldnot

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