Auch Bafin prüft
Börsenaufsicht durchsucht EADS-Zentrale in Paris

Die französische Börsenaufsicht AMF hat am Dienstag die Zentrale des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS durchsucht.

HB MÜNCHEN. Wie das Unternehmen mitteilte, bezogen sich die Untersuchungen auf den Handel mit EADS-Aktien und den Zeitpunkt von Firmenmitteilungen an die Börse. Mitte Juni hatte die EADS-Tochter Airbus wegen Problemen bei der Elektronik erneute Lieferverzögerungen bei ihrem Prestigeobjekt A380 bekannt gegeben und damit einen Kurssturz der EADS-Aktie ausgelöst. In der Spitze war gut ein Drittel des Börsenwerts von EADS - rund sieben Milliarden Euro - vernichtet worden.

Die französische Tageszeitung „Le Monde“ hat ein Protokoll eines Führungstreffens vom 12. Mai veröffentlicht, bei dem bereits von weiteren Lieferverzögerungen beim A380 die Rede war. Bestenfalls würden im kommenden Jahr 17 bis 20 anstatt der geplanten 20 bis 25 A380 die Hallen verlassen, hieß es. Am 13. Juni teilte Airbus dann mit, dass es 2007 nur neun würden. Die weitere Verzögerung des Programms um bis zu sieben Monate belastet den Mutterkonzern insgesamt mit zwei Milliarden Euro.

Zudem ist der französische EADS-Co-Chef Noel Forgeard wegen der Ausübung von Aktienoptionen im März unter Druck geraten. Sowohl die französische als auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin prüfen den Vorgang. „Die Analyse der Kursbewegung dauert an“, sagte eine BaFin-Sprecherin.

Bevor Forgeard vor einem Jahr zusammen mit dem Deutschen Tom Enders an die Spitze von EADS rückte, war er Airbus-Chef. Er hat neben dem Startschuss für den zwölf Milliarden Euro teuren A380 auch den bislang wenig erfolgreichen Langstreckenjet A350 zu verantworten. Momentan überarbeitet Airbus sein neuestes Langstreckenmodell.

Alle Beteiligten bemühen sich derzeit um eine Lösung der EADS-Krise. Dem französischen Finanzminister Thierry Breton zufolge stehen Lösungen kurz vor dem Abschluss. EADS war 2000 aus der deutschen DaimlerChrysler-Tochter Dasa, der spanischen Casa und der französischen Aerospatiale hervorgegangen. Um dem austarierten Machtgefüge zwischen Franzosen und Deutschen Rechnung zu tragen, wurden damals Doppelspitzen sowohl für den Vorstand als auch den Verwaltungsrat beschlossen. Im Rahmen eines Aktionärspaktes wurden die Einflussmöglichkeiten des französischen Staates, der rund 15 Prozent an EADS hält, jedoch limitiert. Frankreich hat seinen Anteil zusammen mit den 7,5 Prozent des Medienkonzerns Lagardere in einer gemeinsamen Holding gebündelt. Als Gegengewicht ist der Stuttgarter Autokonzern DaimlerChrysler ebenfalls mit 22,5 Prozent an EADS beteiligt.

Als ein Szenario wird die Abschaffung der EADS-Doppelspitze mit je einem französischen und einem deutschen Chef diskutiert, wie mit der Situation vertraute Personen in Frankreich berichten. Anteilseigner Lagardere habe sich aber dagegen ausgesprochen.

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