Aufsicht
SEC will Dark Pools ausleuchten

Die Börsenaufsicht will Licht in dunkle Ecken der Wall Street bringen. Versteckte Handelsplattformen sollen in Zukunft transparenter werden. Wie SEC-Chefin Mary Schapiro das Geschäftsmodell so genannter „Dark Pools“ in Frage stellt.
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CHICAGO. Die US-Aufsichtsbehörden wollen die umstrittenen versteckten Handelsplattformen der Wall Street zu mehr Transparenz zwingen und könnten damit das Geschäftsmodell der sogenannten Dark Pools in Frage stellen. Die Wertpapieraufsicht SEC hat gestern eine Regel auf den Weg gebracht, nach der Geschäfte viel früher als bisher gemeldet werden müssen. „Die Kommission muss sicherstellen, dass öffentliche und nicht-öffentliche Handelssysteme innerhalb der regulatorischen Rahmenbedingungen operieren“, sagte SEC-Chefin Mary Schapiro gestern.

Experten rechnen damit, dass die Neuregelung die Nutzung der Dark Pools durch Profi-Investoren weniger attraktiv machen könnte. Möglich sei auch, dass sie bessere Konditionen fordern, wenn sie demnächst genauer darüber Bescheid wissen, was in einem Dark Pool mit ihren Ordern passiert.

Dark Pools werden im Grunde auf zwei Arten genutzt, um Order zu verstecken, die allein durch ihr Auftauchen den Markt in Unruhe versetzen könnten. Will ein Investor eine große Order einer Aktie – einen sogenannten Block – veräußern, kann er ihn komplett in den Dark Pool einstellen und darauf setzen, dass er dort von einer Kauforder „gefunden“ wird. Würde er den Block in ein offenes Handelssystem an einer Börse einstellen, würde alleine das Auftauchen der Order die Aktie ins Rutschen bringen. Eine andere Art, den Dark Pool zu nutzen, ist die, den Block in viele kleine Order aufzuteilen und in dem Pool anzubieten. Dort können sie von elektronischen Handelssystemen, wie sie etwa Hedge-Fonds nutzen, aufgespürt werden.

Durch die Finanzkrise sind die Dark Pools in die Kritik der Politik geraten, die in deren Intransparenz eine Gefahr für die Märkte sieht. Die SEC hat nun einen Kompromiss vorgeschlagen. Übersteigt das Handelsvolumen in einem Wertpapier in Dark Pools 0,25 Prozent des Tagesumsatzes, müssen die Geschäfte gemeldet werden. Bislang lag die Grenze bei fünf Prozent. Blöcke mit einem Gegenwert von über 200 000 Dollar sollen davon ausgenommen werden. Die Regel kann bis Ende des Jahres nach einer erneuten Beratung mit der Branche in Kraft treten.

In den USA vervierfachte sich nach Angaben der Beratungsfirma Tabb Group der Anteil der in Dark Pools gehandelten Aktien in den vergangenen drei Jahren auf 9,4 Prozent. Wichtige Anbieter sind Credit Suisse mit dem Pool „Crossfinder“ sowie Goldman Sachs mit „Sigma X“. Einige Experten erwarten, dass mit den Regeln Geschäftsanteile von den Dark Pools an „normale“ Börsen zurückwandern. Andere rechnen mit engeren An- und Verkaufskursen in den Pools. „Die Investoren können grundsätzlich nur profitieren, denn sie können die Arbeit der Pools angesichts der höheren Transparenz besser beurteilen“, sagte Tabb-Berater Adam Sussman.

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