Aufsichtsratschef der Deutschen Börse verteidigt versuchte Übernahme der LSE
Rolf Breuer steht zu Seifert und sich selbst

Rolf Breuer, Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, will trotz der massiven Kritik aus dem Aktionärskreis an den London-Plänen der Börse sein Amt behalten. Er werde „natürlich“ im Amt bleiben, sagte Breuer am Mittwoch. Zugleich stärkte er auch Vorstandschef Werner Seifert den Rücken. „Es wäre verhängnisvoll, wenn der Steuermann jetzt von Bord ginge“.

HB/fs/pot FRANKFURT/M. Die Börse hatte Anfang der Woche nach heftigen Protesten der eigenen Aktionären ihre Übernahmeofferte für die Londoner Börse (LSE) zurückziehen müssen. Die rebellischen Anteilseigner, als deren Wortführer die Hedge-Fonds TCI und Atticus agieren, hatten zuvor gedroht, andernfalls den Aufsichtsrat und das Management der Börse bei der Hauptversammlung im Mai abwählen zu lassen. Zumindest ein angelsächsischer Großaktionäre hält an dieser Forderung auch weiter fest. Allerdings ist die Haltung der Aktionäre in dieser Frage keineswegs einheitlich. „Die Personalien war für uns nie ein Thema“, hieß es bei einem anderen Großaktionär der Börse, der die Übernahme ebenfalls abgelehnt hat.

Auch in Deutschland sind die Meinungen geteilt. Während sich in den letzten Tagen diverse hochrangige Banker wie Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller demonstrativ hinter Seifert gestellt haben, gibt es auch kritische Töne mit Blick auf die Leitungsgremien. „Breuer muss weg“, hieß es am Mittwoch bei einer großen deutschen Fondsgesellschaften. Der frühere Deutsche-Bank-Chef kümmere sich zu wenig um die Beaufsichtigung des Managements. Ob man bei einer eventuellen Abstimmung auf der Hauptversammlung für eine Abwahl Breuers stimme, sei aber noch offen.

Auch andere Stimmen in der Frankfurter Finanzszene sind mit der Zusammensetzung des Aufsichtsrats nicht glücklich. Dem Gremium gehören noch zahlreiche Vertreter deutscher Banken an, die bis zum Börsengang der Börse 2001 das Sagen bei dem Unternehmen hatten. Seitdem haben aber viele Institute ihre Anteile verkauft. Damit sind in dem Gremium Aktionäre kaum noch vertreten. Dies wird von vielen Experten als Manko empfunden. „Ein Aufsichtsrat sollte grundsätzlich die Aktionärsstruktur widerspiegeln und das Vertrauen der Hauptversammlung genießen“, sagte Corporate-Governance-Experte Theodor Baums, Bankrechtsprofessor in Frankfurt, dem Handelsblatt.

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