Ausblick: Nervöse Aktienmärkte Dax steht vor weiterer Konsolidierung

Eine schlechte Woche liegt hinter den internationalen Aktienmärkten. Vor allem in Deutschland gingen die Kurse kräftig zurück; der Dax notierte vorübergehend unter 5 700 Punkten, um sich dann mit Unterstützung der Wall Street etwas zu erholen.

HB DÜSSELDORF. Verantwortlich für die derzeitige Schwächephase zeichnen nach Ansicht der Commerzbank neben den größer werdenden Zinssorgen und einigen enttäuschenden Unternehmensergebnissen auch die zunehmenden geopolitischen Spannungen. Viele Anleger trennten sich angesichts der wachsenden Unsicherheit von ihren Aktien und schichteten in weniger volatile Anlageformen um.

Anleger sollten sich jedoch von der aktuellen Schwächephase nicht beeindrucken lassen und vielmehr den Blick auf die meist überzeugenden fundamentalen Rahmenbedingungen richten, heißt es im Wochenausblick der Frankfurter. Die neuen Daten für Auftragseingänge und Produktion in der deutschen Industrie hätten die Erwartungen übertroffen und zeigten, dass sich der Boom in der Industrie fortsetze und eine erkennbare Abschwächung nicht in Sicht sei. Für Aktien spreche ferner ihre meist moderate Bewertung. Viele Titel seien sogar ausgesprochen preiswert, schreiben die Commerzbank-Experten.

In der kommenden Woche stehen dem deutschen Aktienmarkt eine Reihe von Geschäftszahlen aus der Finanzbranche bevor. Neben drei großen US-Banken legen unter anderem die deutschen Versicherer Münchener Rück und Allianz ihre Bilanzen vor. Angesichts der um sich greifenden Verunsicherung der Anleger über weltweit steigende Zinsen könnten auch Inflationsdaten für Bewegung am Markt sorgen.

Insgesamt erwarten Aktienstrategen aber, dass der deutsche Leitindex weiter um das aktuelle Kursniveau pendelt. „Bis an die 5 900 Punkte werden wir es in der kommenden Woche wohl nicht wieder schaffen. Ich sehe eher, dass die Tiefstände dieser Woche noch unterboten werden können“, sagte Aktienstratege Günter Senftleben von der Bankgesellschaft Berlin voraus. „Die Zinsunsicherheit hält sich zäh, und das wird auch in der kommenden Woche den Deckel auf den Aktienmarkt setzen“, prognostizierte Senftleben.

Hohe Gewinnerwartungen

Im Rahmen der zu Ende gehenden Berichtssaison informieren vor allem Unternehmen aus der zweiten Reihe über ihre Geschäftsentwicklung. „Die Berichte von Postbank, Salzgitter und Kali & Salz werden interessant, und alle drei stehen eigentlich unter einem positiven Stern“, sagte Aktienstratege Steffen Neumann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Bei den meisten anderen Unternehmen, die Zahlen vorlegen, seien zumindest die Eckdaten bereits bekannt.

„Die Richtung am Markt werden wohl die US-Banken mit ihren Geschäftszahlen vorgeben, und große Kurssprünge sind angesichts der hohen Erwartungen eher unwahrscheinlich.“ Goldman Sachs legt am Dienstag als erste der großen amerikanischen Investmentbanken Zahlen zum Auftaktquartal vor, es folgen Lehman Brothers und Bear Stearns.

Von Reuters befragte Analysten prognostizieren bei allen drei Instituten im Schnitt Umsatzsteigerungen von mehr als zehn Prozent und mehr als fünf Prozent höhere Gewinne. „Um deutliche Impulse am Markt auszulösen, müssten die Unternehmen einen aggressiven Ausblick geben, und dafür ist es eigentlich noch zu früh im Jahr“, sagte Aktienstratege Stefan Rausch von Helaba Trust. Beim weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück gehen Analysten trotz hoher Schadenlasten durch die verheerenden Wirbelstürme in den USA im vergangenen Jahr von einem deutlich höheren Gewinn aus. Auch die Allianz wird wohl ein ordentliches Gewinnplus ausweisen. Der Online-Broker DAB Bank berichtet am Dienstag über die Geschäftsentwicklung 2005.

Von der BMW-Bilanzpressekonferenz am Mittwoch erhoffen sich Analysten vor allem einen konkreteren Ausblick. „Es dürfte auch interessant werden, was die mit ihrem vielen Cash vorhaben“, sagte ein Analyst.

Bis Mittwoch läuft noch die Technologiemesse Cebit. Der große Verfall am Terminmarkt am Freitag, der so genannte „Hexensabbat“ sollte nach Einschätzung der Experten kaum Einfluss auf den Markt haben.

Belastende Zinsängste

Um neue Hinweise zur weiteren US-Zinsentwicklung zu erhalten, dürfte sich das Augenmerk der Anleger im Wochenverlauf unter anderem auf die US-Einzelhandelsumsätze, die US-Verbraucherpreisdaten und den Index zum Verbrauchervertrauen der Universität Michigan richten. „Das nach wie vor robuste Konjunkturbild wird sich wohl noch einmal bestärken und damit auch die Erwartung steigender Zinsen“, sagte Senftleben. Dies könnte Anleger weiter demotivieren. „Weltweit wird Liquidität abgeschöpft und entsprechend fließt auch weniger Geld in Aktien“, kommentierte Analyst Rausch.

Dem Dax dürfte eine weitere Konsolidierungswoche bevorstehen. Noch sind zu viele Anleger verschreckt vom Scheitern kurz unter der 6 000er-Marke. Zu neuen Investments seien nur sehr kurzfristig orientierte Trader bereit, heißt es bei einigen Analysten. Per Saldo könne dies für bis zu zwei Monate zu einer volatilen Seitwärtsphase führen. Technische Analysten machen hier die Marken zwischen 5 600 und 5 850 Punkte als Begrenzungen aus.

Den für einige Anleger überraschend schnellen 300-Punkte-Rückgang im Dax solle man dennoch nicht überbewerten, heißt es im Handel. Die strategisch entscheidenden Verkäufe von Langfristanlegern hätten daran nur einen geringen Anteil gehabt. Ein bewusstes Misstrauensvotum für deutsche Aktien sei aus der Verkaufswelle nicht herauszulesen.

Allerdings sei der Markt selektiver geworden, sagt ein Händler: „Erst Google, dann Bayer und Adidas haben gezeigt, dass unsere Erwartungen überspannt waren“.

Obwohl alle Unternehmen gute Zahlen vorlegten, waren die Analystenhoffnungen noch höher. Dies deute auf eine Fortsetzung der volatilen Marktphase. Vor allem mit Blick auf den Eurex-Verfall kommenden Freitag sei ein Sprung über die 6 000er-Marke ohnehin unwahrscheinlich gewesen, sagt ein weiterer Händler: „Diese Marke ist derart veroptioniert worden, dass sich die Stillhalter mit allen Mitteln gegen ein Überschreiten wehren“. Der Verfalltermin März der Optionen und Futures zählt zu den gewichtigen Terminen kommender Woche.

Erst danach dürfte der Markt wieder die Zeit finden, auf die wirtschaftlichen „Fundamentals“ einzugehen. Nachdem die Zinserhöhungsangst durch den ausgeglichenen US-Arbeitsmarktbericht vom Februar abgenommen hat, rückt nun die Konjunktur in den Blick:

Weg weisend dafür seien Meinungen, wie sie in einer globalen Strategie- Studie von der Credit Suisse veröffentlicht wurden: „Wir empfehlen ausdrücklich, Deutschland weiter überzugewichten“, schreiben dort die Analysten. Deutsche Aktien seien aus mehreren Gründen bis zu 26% unterbewertet gegenüber den europäischen Partnern. Als Gründe dafür werden unter anderem genannt der jüngste Rückgang der Lohnstückkosten, der zu Marktanteilsgewinnen deutscher Unternehmen geführt habe. Dies wiederum habe ein schnelleres Wachstum der Industrieproduktion als in Resteuropa bewirkt. Auch sei Deutschland im Umfeld steigender Zinsen besser gerüstet, da die Firmen ihre Verschuldung stärker gesenkt hätten als die anderen europäischen Unternehmen. Vom Trend zu Investitionsgütern profitiere man besonders, da sie an den deutschen Börsen am höchsten gewichtet seien.

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