Ausblick
Wall Street: Zehn Cent können entscheidend sein

Die anstehende Bilanzsaison in den USA ist die wichtigste seit langer Zeit. Besonders gebannt blicken die Anleger auf den Mischkonzern General Electric, dessen Abschneiden als Indikator für die Gesamtwirtschaft gilt. Schon kleinste Abweichungen von den Prognosen können bei dieser Aktie verheerendes auslösen.

HB NEW YORK. Nur zehn Cent könnten in der kommenden Woche über Glück oder Unglück der Wirtschaftswelt entscheiden. Denn wenn in den USA die Bilanzsaison beginnt, blicken die Anleger vor allem auf die Zahlen von General Electric. Und der Mischkonzern ist dafür bekannt, die Prognosen der Experten sehr genau zu treffen - beim Gewinn je Aktie eben bis auf zehn Cent. „Wenn sie den Gewinn je Aktie nur um einen „Nickel' verfehlen, ist es, als lägen sie tausend Meilen daneben“, sagte Fred Dickson, Marktstratege bei D.A. Davidson & Co. Alles andere als eine Punktlandung dürfte also in der angespannten Wirtschaftslage Anleger, Unternehmer und Währungshüter gleichermaßen alarmieren.

Ohnehin gilt der Konzern GE als Indikator für das Wohl der US-Wirtschaft, weil sich seine Geschäftssparten über so zahlreiche Branchen erstrecken. Zudem machen Finanzdienste einen großen Teil der GE-Umsätze aus, so dass gerade der von der Kreditkrise gebeutelte Finanzsektor am Freitag mit Spannung auf die GE-Zahlen vom zweiten Quartal warten wird. Noch schmerzt viele die Erinnerung daran, dass GE für das erste Quartal die Prognose für den Gewinn je Aktie um sieben Prozent verfehlte - und damit den eigenen Aktienkurs und Märkte weltweit auf Talfahrt schickte. GE-Aktien gaben damals 13 Prozent nach. Für das zweite Quartal rechnen die Experten nun mit einem Gewinnrückgang auf 5,33 Mrd. Dollar nach 5,4 Mrd. Dollar ein Jahr zuvor.

Mit der Einnahmenflaute im zweiten Vierteljahr liegt GE im Trend: Die Gewinnprognosen sanken jüngst stetig, nachdem mehrere große US-Firmen wie United Parcel Service in den vergangenen Wochen mit Gewinnwarnungen Handelsräume und Vorstandsetagen in den USA schockiert haben. Die Ursachen: die lahmende Wirtschaft und der Ölpreis von rund 145 Dollar je Fass. Öl hat sich ohnehin zum größten Unsicherheitsfaktor für die Unternehmensgewinne und auch das Wirtschaftswachstum entwickelt. „Der Ölpreis ist bei allen ganz oben auf der Liste“, sagte Dan Peirce von State Street Global Advisors.

Wegen des Unabhängigkeitstages wurde am Freitag an der Wall Street nicht gehandelt. Zum Ende ihrer verkürzten Woche gingen die US-Börsen am Donnerstag uneinheitlich aus dem Handel: Der Leitindex Dow Jones schloss 0,7 Prozent fester bei 11 288 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index legte 0,1 Prozent zu auf 1 262 Zähler zu. Der Technologie-Index Nasdaq gab 0,3 Prozent nach auf 2 245 Stellen.

Der bedrohliche Flirt des Dow Jones mit einem Bärenmarkt in der vergangenen Woche dürfte den Händlern noch lebhaft in Erinnerung sein, wenn sie am Montag aufs Parkett zurückkehren. Ihren Blick werden sie in der kommenden Woche auch wieder auf Notenbank-Chef Ben Bernanke richten, der sich am Dienstag und am Donnerstag äußert. Bei den Konjunkturdaten stehen das Verbrauchervertrauen und die Absatzzahlen im Einzelhandel im Mittelpunkt des Interesses.

Als erstes Dow-Jones-Unternehmen eröffnet der Aluminiumkonzern Alcoa am Dienstag die Bilanzsaison. Die Hotelkette Marriott folgt am Donnerstag, bevor am Freitag GE unter die Lupe genommen wird - auf zehn Cent genau.

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