Auseinandersetzung mit US-Börsenaufsicht
EU will Abschied von Wall Street erleichtern

Die Auseinandersetzung mit der US-Börsenaufsicht um Berichtspflichten geht in die entscheidende Runde. Die Spitzenverbände der europäischen Wirtschaft drängen bei der US-Wertpapieperaufsicht SEC auf Erleichterungen für den Rückzug europäischer Konzerne von der Wall Street.

BRÜSSEL. Wie aus Unternehmenskreisen in Brüssel verlautete, wollen die Verbände die SEC auffordern, rückzugswillige Konzerne aus der Berichtspflicht gegenüber der Börsenaufsicht zu entlassen, wenn überwiegend institutionelle US-Anleger Anteile an dem Unternehmen halten.

Wegen der hohen Kosten der kapitalmarktrechtlichen Berichterstattung in den USA und der schärferen Haftungsbestimmungen durch das Sarbanes-Oxley-Gesetz von 2002 kehren mehr und mehr ausländische Konzerne der Wall Street den Rücken. Zuletzt gaben der französische Medienkonzern Vivendi Universal und der deutsche Graphitspezialist SGL Carbon ihren Abschied aus New York bekannt.

Doch werden die europäischen Emittenten bei der Einstellung der US-Börsennotierung derzeit mit rigiden Bestimmungen konfrontiert. Zum Schutz von US-Anlegern bestehen die umfangreichen Berichtspflichten auch nach dem Ausscheiden aus der US-Börsennotierung weiter (Deregistrierung). Eine Befreiung erteilt die SEC nur, wenn weniger als 300 US-Aktionäre Anteilsscheine besitzen. Schon weil das Unterschreiten dieser Schwelle kaum beweisbar ist, haben ausländische Gesellschaften wenig Chancen, von der Wall Street loszukommen.

Zwar hatte die SEC im vergangenen Dezember auf Druck der europäischen Wirtschaft vorgeschlagen, die Schwelle für die Berichtspflicht herabzusetzen. So sollten nach dem Rückzug die Mitteilungen entfallen, wenn US-Investoren weniger als fünf Prozent der Aktien halten. Doch dieser Vorschlag ist nach Überzeugung der Spitzenverbände unzureichend. Zwar hatte die SEC erklärt, mit der Schwelle von fünf Prozent würden immerhin 26 Prozent aller in den USA gelisteten ausländischen Unternehmen erfasst, aber europäische Nachforschungen ergaben ein anderes Bild. Laut einer Studie der Citybank könnten nach den neuen SEC-Bedingungen nur zwei von 19 französischen Konzernen von der Berichterstattung befreit werden. In Großbritannien wäre es nur eines der 25 größten Unternehmen. In Deutschland wären es zwei der 17 an der Wall Street gelisteten deutschen Konzerne.

EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy teilt die Bedenken der Industrie. "Die SEC kommt den europäischen Forderungen nicht weit genug entgegen", sagte ein Sprecher des Kommissars gestern. Nur bei fünf europäischen Unternehmen mit Börsenauftritt in den USA seien weniger als fünf Prozent der Anteile in den Händen von US-Anlegern.

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