Außerbörsliche Handelssysteme
Börsen kämpfen um Privatanleger

Die etablierten Börsen geraten im Wettbewerb mit außerbörslichen Handelssystemen um Privatanleger zunehmend unter Druck. Vor allem attraktive Kunden, also solche mit vielen Handelsaufträgen im Jahr, weichen einer Studie der Universität Augsburg zufolge auf alternative Handelssysteme aus. Der Grund: niedrigere Kosten.

FRANKFURT. Die Weiterentwicklung der außerbörslichen Angebote könnte diese Entwicklung noch verstärken. „Die Umfrageergebnisse zeigen, dass den Börsen zwar auch weiterhin eine sehr herausgehobene Bedeutung im Markt zukommt. Gleichwohl wird der Wettbewerb um die Privatkunden härter“, sagte Dennis Kundisch, Projektleiter der Studie „Online-Brokerage“ der Universität Augsburg und des Karlsruher Forschungszentrums Informatik, die dem Handelsblatt vorliegt.

Vor allem im Wachstumsbereich „verbriefte Derivate“ zeigt sich die zunehmende Bedeutung der außerbörslichen Handelsplätze. Von den 1



800 befragten Privatanlegern kaufen mittlerweile mehr als 53 Prozent Hebelprodukte außerbörslich. Dabei wurden 20 Prozent der außerbörslich aktiven Anleger erst im letzten Jahr zur Nutzung dieser Handelsplatzalternative animiert. „Ein Zeichen, dass diese Form des Handelns an Attraktivität gewinnt“, so Kundisch. Der Studie zufolge weichen vor allem solche Anleger auf außerbörsliche Systeme aus, die oft handeln. Solche „Heavy Trader“ sind besonders attraktive Kunden, schließlich zahlen sie bei jedem Geschäft Gebühren. Lediglich bei Aktien behaupten die etablierten Börsenplätze ihre dominierende Stellung. Dort kommen sie noch auf einen Marktanteil von fast 86 Prozent.

Für diese „Heavy Trader“ kommt es vor allem auf den Preis an. So geben 35 Prozent der Befragten an, wegen der geringeren Gebühren außerbörslich zu handeln. Schließlich fallen auf diesen Systemen die Maklerkosten weg. Außerdem können die alternativen Systeme günstiger anbieten, weil sie die Kosten für die gesetzlich bei den Börsen vorgeschriebene Marktaufsicht sparen. Andere Kriterien für die Wahl eines außerbörslichen Systems wie schnellere Ausführung und Preissicherheit wurden seltener genannt.

Die beiden größten deutschen Börsen in Frankfurt und Stuttgart haben den Wettbewerb mit den außerbörslichen Systemen auch beim Preis angenommen. So haben sie die Gebühren für eine Order ab einem bestimmten Wert eingefroren. Während Frankfurt beim Aktienhandel der Großanleger die Nase deutlich vorne hat, ist Stuttgart Marktführer im börslichen Handel der Privatanleger vor allem mit verbrieften Derivaten.

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