Auswirkungen der Finanzkrise
In Japan herrscht Gelassenheit

Während der asiatische Dollar-Raum von den Problemen in den USA angesteckt wurde, funktioniert der Geldmarkt in Tokio gut. Die gelassene Haltung der japanischen Finanzakteure stabilisiert den Markt.

TOKIO. Die Geldmärkte in Fernost sind von der von Amerika ausgehenden Krise in sehr unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Stark an den Dollar gekoppelte Märkte wie Hongkong oder Singapur machten im Wesentlichen die starke Anspannung des amerikanischen Geldmarkts im Oktober und die Entspannung in den letzten Tagen mit. Japans Finanzsektor dagegen wurde von den Turbulenzen bisher weitgehend verschont.

In Tokio liegen die Sätze für Dreimonatsgeld unter Banken noch unter einem Prozent. Die vergleichsweise gelassene Haltung der japanischen Finanzakteure stabilisiert den Finanzmarkt. An den Untergang eines größeren japanischen Kreditinstituts glaubt in Tokio derzeit angesichts guter Kapitalausstattung keiner. Daher misstrauen sich die Marktteilnehmer noch nicht. "Das könnte sich jedoch ändern", warnt Chefökonom Hiromichi Shirakawa von Credit Suisse Tokyo. Die Anleger sollten sich auf negative Nachrichten aus dem japanischen Markt vorbereiten, sagt Shirakawa und verweist auf insolvenzbedrohte Immobilienunternehmen. "Gegen Ende des laufenden Geschäftsjahres Ende März wird die Bank von Japan vermutlich zusätzliche Liquidität bereitstellen müssen", sagt der Ex-Notenbanker.

In Vorbereitung auf schlechtere Zeiten hat die Bank von Japan am vergangenen Freitag die Spielregeln auf dem Geldmarkt verändert. Sie zahlt ab Mitte November 0,1 Prozent Zinsen für Einlagen von Geschäftsbanken. "Dieser neue Wert ist de facto die neue Begrenzung nach unten für Geldmarktzinsen", sagt Shirakawa. Denn statt verfügbare Mittel über den Geldmarkt anderen Banken zur Verfügung zu stellen, können die Finanzmanager sie bei der Bank von Japan parken. Liegt der Zinssatz am Markt niedriger als diese 0,1 Prozent, geht das Geld statt in den Markt an die Zentralbank. Dadurch wird niemand auf die Idee kommen, Geld einfach zu horten - es bleibt im System.

Marktteilnehmer versprechen sich davon eine deutliche Steigerung der Liquidität. "Die 0,1 Prozent für die Zentralbankguthaben haben mit Inkrafttreten der Regel fast eine größere Bedeutung für den Geldmarkt als der Leitzins von 0,3 Prozent", sagt Shirakawa. Die Bank von Japan verspricht im Gegenzug, den Banken auf anderen Kanälen günstig Mittel zur Verfügung zu stellen.

Auch der Markt für Commercial Papers ist in Japan noch relativ entspannt - auch hier spielt die stabile Lage der japanischen Industrie eine Rolle. Bonitätsprobleme von Toyota oder Panasonic fürchtet bisher noch niemand. "Doch der Mittelstand, der auch auf Commercial Paper zurückgegriffen hat, dürfte demnächst ernste Probleme mit der Kapitalbeschaffung bekommen", sagt Shirakawa.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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