Bankaktien unter Druck
S&P holt zum Schlag gegen Anleihen aus

Die Krise am „Subprime“-Markt für schwache private Hypothekenschuldner in den USA spitzt sich weiter zu. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) prüft seit gestern die Herabstufung von 612 verschiedenen Anleihe-Tranchen über insgesamt gut zwölf Mrd. Dollar. Diese Ankündigung belastet auch die Aktienkurse von Deutscher Bank und Credit Suisse.

cü FRANKFURT. Die Ratingagentur S&P geht davon aus, dass der Großteil der 612 Bonds tatsächlich schlechtere Ratings bekommen wird. Es geht dabei um verbriefte Bonds in verschiedenen Tranchen, die mit Subprime-Hypotheken besichert sind. Die Ausfälle dieser Immobilienkredite in den USA sind – bedingt durch steigende Zinsen und einen schwachem Immobilienmarkt – drastisch gestiegen. Zwei Hedge-Fonds der US-Investmentbank Bear Stearns haben sich mit Collateralized Debt Obligations (CDOs), in denen Subprime-Kredite verpackt waren, verspekuliert und mussten von der Bank mit Milliardenbeträgen gestützt werden.

Die jetzt betroffenen Anleihe-Tranchen machen laut S&P gut zwei Prozent der mit Hypotheken gedeckten, verbrieften Bonds (RMBS) in den USA über rund 563 Mrd. Dollar aus.

Der Schritt von S&P dürfte nach Meinung von Experten den Markt weiter unter Druck bringen und die Verluste bei Hedge-Fonds und Banken verstärken, die mit den Papieren handeln. Bei Ratingherabstufungen sind viele Investoren dazu gezwungen, die Anleihen zu verkaufen. Allein bei CDOs, die aktuell besonders im Fokus der Anleger stehen, könnten Verluste bis zu 250 Mrd. Dollar entstehen, sagte Christopher Walen, Analyst bei Institutional Risk Analytics der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wenn eine Ratingagentur eine ganze Klasse von Wertpapieren auf die Beobachtungsliste setze, müsse der Markt neu bewertet werden.

Vor der S&P-Ankündigung waren Häuser wie Credit Suisse und die Deutsche Bank noch von Verlusten bei mit Subprime-Krediten besicherten CDOs zwischen 52 Mrd. und 90 Mrd. Dollar ausgegangen. Insgesamt ist der Markt für CDOs – Derivate, die mit einem Korb von Anleihen oder Krediten oder verbrieften Bonds besichert sind – rund eine Bill. Dollar schwer.

Banker kritisierten während einer Telefonkonferenz, dass S&P erst jetzt massive Ratingherabstufungen angeht. Die schlechte Entwicklung habe sich schließlich schon länger abgezeichnet, und einzelne Bonds hätten bis zur Hälfte ihres Nominalwertes verloren. Die Agentur entgegnete darauf, dass sie abwarten wollte, bis es tatsächliche Zeichen dafür geben, dass die zu Grunde liegenden Sicherheiten der Anleihen an Wert verloren haben. Stresstests dazu seien erst jetzt möglich, weil absehbar sei, dass Zwangsversteigerungen der zu Grunde liegenden Immobilien nicht dazu ausreichten, die Bonds zu bedienen.

S&P kündigte gleichzeitig an, die Ratingkriterien für die besicherten Anleihen zu verschärfen. Dabei solle ein größerer Puffer eingebaut werden, um Anleihe-Tranchen mit guten Ratings vor einem Verlust zu schützen. 80 Prozent der jetzt auf der Prüfliste stehenden Tranchen haben ein Rating auf der untersten Stufe des sicheren Investment-Grades oder darunter.

S&P beklagte zudem, dass ein Teil der von den Kreditinstituten zur Verfügung gestellten Daten zur Bewertung der Papiere falsch sei. Eine Besserung des US-Hypothekenmarktes ist nach Ansicht von David Wyss, US-Chefvolkswirt von S&P, noch nicht in Sicht.

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