Banken erwarten bis zu 20 Neuemissionen
Deutsche Unternehmen drängen an die Börse

Deutsche Unternehmen zieht es nach zwei Flautejahren wieder an die Börse. Angesichts der langen Schlange von Kandidaten revidieren sieben führende Emissionsbanken ihre Prognosen nach oben. Sie rechnen im Schnitt mit 15 bis 20 Börsengängen im Jahr 2004. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Handelsblatts.

HB FRANKFURT/M. Die größten Optimisten wie Axel Pohlücke, Aktienchef der DZ Bank, halten sogar bis zu 30 Neuemissionen für möglich. Zum Jahreswechsel waren viele Institute noch pessimistischer und hatten lediglich zehn Börsengänge erwartet.

Die Börsenkandidaten können mit ausreichender Nachfrage rechnen. Vom Handelsblatt befragte Fondsmanager zeigten Kaufbereitschaft für neue Aktien. Allerdings nur unter zwei Voraussetzungen: Die Unternehmen müssen sich bei der Preisfindung in Bescheidenheit üben, und die Stimmung am Aktienmarkt darf sich nicht deutlich eintrüben.

Mit Blick auf die Neuemissionen ist Deutschland ein Nachzügler. In den USA rollt die Welle von Börsengängen bereits seit einiger Zeit. Allein Mitte Februar wagten in einer Woche elf Unternehmen den Sprung auf das Parkett. Für das gesamte Jahr sagt die Investmentbank Lehman Brothers eine Verdoppelung des Volumens der Börsengänge gegenüber 2003 auf 40 Mrd. Dollar voraus.

So viel wird es in Deutschland nicht werden. Aber auch hier halten die Optimisten einen zweistelligen Milliardenbetrag nicht für ausgeschlossen. Georg Hansel, Managing Director der Deutschen Bank, geht von einem durchschnittlichen Emissionsvolumen von 500 Mill. Euro aus. Bei 20 Börsengängen wären das 10 Mrd. Euro. Allerdings ist die Zahl der Börsengänge im Vergleich zum Rekordjahr 1999 noch immer bescheiden: Damals gingen 175 deutsche Unternehmen an die Börse.

Inzwischen verbreiten fast alle Banker Zuversicht: „Unsere Pipeline ist gut gefüllt“, betont Lutz Raettig, Chef von Morgan Stanley in Frankfurt. Allein sein Haus sei mit 50 Kandidaten im Gespräch, die in den nächsten drei Jahren an die Börse wollten. „Es vergeht fast keine Woche ohne die Ankündigung einer Aktienemission“, ergänzt Hansel.

Die Deutsche Bank und Morgan Stanley betreuen die wichtigste Emission in diesem Jahr. Voraussichtlich Ende Juni will die Deutsche Post rund die Hälfte der Postbank für bis zu 3 Mrd. Euro an den Markt bringen. Die ersten Kandidaten kommen jedoch aus dem Technologiebereich. Derzeit liefern sich die Halbleiterunternehmen X-Fab und Siltronic ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Preis für den ersten Börsengang nach der großen Vertrauenskrise (siehe Tabelle). Allerdings spielen beide Unternehmen in unterschiedlichen Ligen. Während X-Fab nur rund 100 Mill. Euro einsammeln will, wird das Volumen bei Siltronic auf etwa das Fünffache geschätzt.

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