Banken setzen auf stärkere Aktivitäten von Fondsgesellschaften und Versicherungen
Wertpapierleihe kommt in Mode

Der Platz an der Sonne im deutschen Asset Management ist hart umkämpft. Oft liegen die Fonds der einzelnen Anbieter in der Ertragsentwicklung nur um Haaresbreite auseinander. Da zählt jeder Zehntelprozentpunkt zusätzliche Performance, um bei den Anlegern besser dazustehen.

FRANKFURT/M. Heimische Fondsgesellschaften nutzen deshalb verstärkt die so genannte Wertpapierleihe um Zusatzerträge zu erzielen. Versicherungen versuchen ebenfalls, ihre Anlagerenditen über dieses Finanzinstrument aufzupeppen. Das macht auch die Banken als Vermittler zwischen Verleiher und Entleiher hellhörig. Die Institute wittern ein gutes Geschäft.

Bei der Wertpapierleihe verleiht der Eigentümer Aktien oder andere Wertpapiere für kurze Zeit und erhält dafür als Sicherheit Barmittel und eine Gebühr. Zu den Kunden der Verleiher zählen beispielsweise Hedge-Funds, die mit den geliehenen Papieren auf fallende Kurse spekulieren und die großen Investoren an den Terminbörsen.

Zu den Kandidaten, die kräftig in das Leihgeschäft investiert haben gehört Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW), die Investmentbankentochter der Dresdner Bank. Im vergangenen Jahr hat DrKW ein Team von 25 Leihespezialisten von der Deutschen Bank eingekauft, inzwischen wurde die Mannschaft sogar auf 40 Leute aufgestockt. Die Dresdner geht einen in Deutschland bisher einmaligen Weg und hat für das Leihgeschäft direkten Zugriff auf ganze Wertpapierportfolios, etwa von Fonds. Die Aktien und Anleihen würden dann über eine so genannte Agency Securities Lending Plattform an Dritte verliehen, erläutert Andreas Richter, Leiter Agency Securities Lending Deutschland bei DrKW. Inzwischen hat der Bereich Wertpapiere im Volumen von 94 Mrd. € eingesammelt. Davon stammt etwa ein Drittel aus der Allianz-Gruppe. „Zwei Versicherungen wollen sich kurzfristig unserem Leiheprogramm anschließen“, ergänzt Richter. Zurzeit würden täglich Aktien und Anleihen im Wert von 25 Mrd. € am Markt platziert.

Der in Deutschland übliche Weg sieht jedoch anders aus als das Modell der Dresdner: Fonds und Versicherungen haben in vielen Fällen feste Leiheverträge mit verschiedenen Banken. Die Zahl kann nach der Beobachtung von Eduard Cia, Head of Repo and Collateral Trading bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) durchaus zweistellig sein. Zu den großen Spielern hier zu Lande zählen bei Aktien neben der HVB und DrKW auch die Commerzbank. Bei Anleihen ist die Konkurrenz weitaus größer. Neben den privaten Großbanken zählen hier die Landesbank Baden-Württemberg, die Bayerische Landesbank sowie die Postbank zur Spitzengruppe. Die Deutsche Bank arbeitet aus London heraus. Welche Renditen für die Verleiher zu erzielen sind, zeigt eine Untersuchung von Astec Consulting über US-Publikumsfonds. Sie verliehen 2002 Wertpapiere über 90 Mrd. $. Von den Erträgen flossen 300 Mill. $ an die Fondsbesitzer. Solche Zusatzerträge locken auch deutsche Fonds. Ein Beispiel ist Deka Investment, die Fondsgesellschaft der Sparkassengruppe. Deka habe 2003 besonders die Aktienleihe forciert und werde das Geschäft 2004 weiter ausbauen, erläutert Geschäftsführer Udo Schmidt-Mohr. Auch bei Unternehmensanleihen sei Deka zunehmend aktiv. Das Volumen der ausgeliehenen Wertpapiere liege im Milliardenbereich.

Doch es gibt auch Gründe, die gegen das Verleihen von Wertpapieren sprechen: „Nach wie vor gibt es Fonds und Versicherungen, die Angst vor einem Kursverfall durch ein Leihegeschäft haben“, beobachtet Cia von der HVB. Dabei geht es vor allem um die Aktionen spekulativer Hedge-Funds, die auf fallende Kurse setzen. Die Funds verkaufen die geliehenen Papiere am Markt und hoffen sie nach einem Kursrutsch wieder billiger zurückkaufen zu können. Wegen der Gefahr von Kursverlusten vermeiden es Verleiher, marktenge Aktien zur Verfügung zu stellen, bei denen sich schon mit vergleichsweise geringen Stückzahlen große Kursbewegungen auslösen lassen. Bei liquiden Börsenschwergewichten ist das dagegen kein Thema. Weitere Gründe für eine Zurückhaltung sind der mit einem Leihegeschäft verbundene hohe administrative Aufwand.

Der Trend ist jedoch klar, zumal „die Zulassung von Hedge-Funds in Deutschland durch das neue Investmentmodernisierungsgesetz zu einer Belebung des Leihegeschäftes hier zu Lande führen wird“, wie Cia konstatiert. Stärkere Nachfrage nach Leihpapieren dürfte auch die Margen verbessern, die sich derzeit zwischen 0,06 bis etwa 0,45 Prozentpunkten bewegen.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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