Banken-Verstaatlichung in Lettland: Parex-Krise beunruhigt deutsche Sparer

Banken-Verstaatlichung in Lettland
Parex-Krise beunruhigt deutsche Sparer

Die Parex Bank leidet wie die übrigen Banken der Region vor allem unter dem schnellen wirtschaftlichen Abschwung in den drei baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen. In den Boomjahren, in denen die drei Staaten auf zweistellige Wachstumsraten kamen, hatten alle Banken leichtfertig Kredite vergeben. Mit der Finanzkrise bekamen die Banken Probleme mit Kunden, die ihre Kredite nicht mehr abzahlen konnten. Viele Haus- und Wohnungskäufer in den baltischen Ländern nahmen zudem ihre Hypotheken in Euro auf. Die beiden schwedischen Markführer Swedbank und SEB rechnen mittlerweile mit Kreditverlusten im Baltikum von mehreren hundert Mio. Euro.

Erst Ende vergangener Woche hatte das Statistische Zentralamt in Riga bekanntgegeben, dass die Wirtschaft im dritten Quartal dieses Jahres um 4,2 Prozent geschrumpft ist. 2007 war die lettische Wirtschaft noch um mehr als zehn Prozent gewachsen. Für 2009 prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von 2,2 Prozent.

Die wirtschaftliche Vollbremsung hatte sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet, wurde dann aber durch die globale Finanzkrise noch beschleunigt. Lohnsteigerungen von rund 30 Prozent waren 2007 keine Seltenheit in Estland und Lettland, die Inflation erreicht mittlerweile zweistellige Werte. Die Regierungen in Tallinn, Riga und Vilnius haben deshalb spürbare Ausgabenkürzungen und teilweise sogar Lohnsenkungen für staatlich Bedienste angekündigt.

Die Parex Bank wurde 1992, ein Jahr nach der Unabhängigkeit Lettlands von der Sowjetunion von zwei russischen Geschäftsleuten gegründet. Sie verwaltet rund 4,3 Mrd. Euro. Der Konzern beschäftigt etwa 2600 Mitarbeiter. Etwa ein Drittel der 2,3 Mio. Einwohner Lettlands gehört der russisch-sprachigen Minderheit an.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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