Banken-Verstaatlichung in Lettland
Parex-Krise beunruhigt deutsche Sparer

Déjà-vu für deutsche Sparer: Nach Kaupthing aus Island gerät jetzt mit der lettischen Parex-Bank erneut ein Institut ins Taumeln, das in Deutschland mit hohen Tagesgeldzinsen Kunden lockte. Doch die Parallelen sind begrenzt: Zum einen führt die Parex Bank ihre Geschäft fort. Zum anderen sind die Einlagen in Deutschland gesichert.

STOCKHOLM. Die weltweite Finanzkrise hat nun auch in Lettland ihr erstes Opfer gefordert: Die Regierung in Riga übernahm am Wochenende für die symbolische Summe von zwei Lat (2,82 Euro) 51 Prozent der Anteile an Lettlands zweitgrößter Bank, der auch in Deutschland operierenden Parex Bank. Weitere 34 Prozent werden als Sicherheit der staatlichen Hypothekenbank Mortage and Land übertragen.

Die Parex Bank mit den beiden russischen Hauptaktionären Walerie Kargin und Wladimir Krasovitsky unterhält außerhalb Lettlands Zweigstellen in Deutschland, den nordeuropäischen Ländern, der Schweiz, Großbritannien und weiteren zehn Ländern. In Deutschland war Parex - ähnlich wie die insolvente isländische Kaupthing Bank - vor allem mit attraktiven Konditionen für Tages- und Festgeld auf Kundenfang. Für Tagesgeld bot die Bank Zinsen von knapp über sechs Prozent.

Anders als die ebenfalls verstaatlichte Kaupthing gehört die deutsche Parex-Tochter allerdings dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken an. Damit sind Einlagen bis zu einer Höchstgrenze von rund 20 000 Euro gesetzlich abgesichert, sollte die Bank zahlungsunfähig werden. Das ist aber bislang nicht der Fall. Die Geschäfte würden normal weitergeführt, betonte der lettische Premier Ivars Godmanis. Zusätzlich sind die Guthaben durch den lettischen Einlagensicherungsfonds bis zu 50 000 Euro geschützt.

Die Parex Bank ist das zweitgrößte Institut in dem kleinen baltischen Land. Marktführer sind die schwedischen Banken Swedbank und SEB, die auf einen Marktanteil von über 50 Prozent kommen. Der lettische Regierungschef Ivars Godmanis begründete die Teilverstaatlichung damit, dass das lettische Finanzsystem gesichert werden müsse. Ohne die staatliche Übernahme wäre das Institut pleite gegangen, sagte er. Er unterstrich in Riga, dass weitere Aktionen dieser Art nicht zu erwarten seien. Auch der lettische Zentralbankchef Ilmars Rimsevics geht davon aus, dass die Verstaatlichung der Parex Bank ein Einzelfall bleiben wird. Eine Hilfe durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) sah Godmanis derzeit als nicht notwendig an.

Thomas Flodén, Ökonom bei der schwedischen Finanzaufsicht, erklärte am Sonntag, dass ein Grund für das schnelle Eingreifen der lettischen Regierung die Furcht vieler Kunden vor Verlust ihrer Spareinlagen gewesen sei. "In den vergangenen Tagen haben viele Letten ihre Konten bei der Parex Bank geleert", sagte er. Der stellvertretende Vorsitzende der lettischen Finanzaufsicht, Janis Brazovskis, wollte zwar keine Summen nennen, doch schloss er nicht aus, dass Sparer allein in den vergangenen Tagen bis zu 60 Mio. Lats (84 Mio. Euro) von ihren Parex-Konten abgehoben hätten.

Seite 1:

Parex-Krise beunruhigt deutsche Sparer

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%