Banken wollen mitmischen
Spanier drängen an die Börse

Spanische Unternehmen brauchen Geld zum expandieren. In den nächsten Monaten wird deshalb mit einer Vielzahl von Börsengängen gerechnet. Heimische Banken wie Santander wollen daran stärker mitverdienen. Denn das große Geschäft machen bisher die europäischen und amerikanischen Konkurrenten.

MADRID. Spaniens Wirtschaft ist auf Konsolidierungskurs. Viele der kleinen und mittelgroßen Unternehmen stehen unter Wachstumsdruck, um vor der Abschwächung der heimischen Konjunktur ins Ausland zu expandieren. Dafür brauchen sie Geld. In diesem und im kommenden Jahr werden nach Schätzung der großen Investmentbanken bis zu 20 Unternehmen an die Börse gehen, darunter die Beteiligungsholding der größten spanischen Sparkasse La Caixa, der heimische Satellitenbetreiber Hispasat sowie die Telekommunikationsgesellschaft Ono.

„Nach dem Einbruch der Finanzmärkte im Jahr 2001 ist es sehr ruhig auf dem spanischen Parkett geworden, aber seit einem Jahr trauen sich auch wieder kleinere Firmen an die Börse“, sagt Hernani Burzako, Finanzchef der spanischen Börsenholding BME. Das hat auch mit der guten Entwicklung des Referenzaktienindexes Ibex-35 zu tun, der in den letzten Monaten einen Rekord nach dem anderen schlug. Seit einigen Wochen wird er zwar immer wieder wegen der negativen Entwicklung auf dem für die spanische Wirtschaft wichtigen Wohnungsmarkt sowie den steigenden Leitzinsen nach unten gerissen. Börsenexperten glauben jedoch, dass er in diesem Jahr noch auf über 16 000 Punkte steigen wird; derzeit notiert er bei rund 15 000 Zählern. „Die Übernahmeprozesse um den Tabakkonzern Altadis sowie die Fluggesellschaft Iberia werden genug Bewegung bringen, damit sich weitere Unternehmen aufs Parkett trauen“, sagt Jorge Vasallo, Chef des Corporate Finance bei ABN Amro in Spanien.

Vor allem Immobilienunternehmen wie Realia suchen im laufenden Jahr an der Börse Kapital für die notwendige Expansion ins Ausland. Allerdings ist der Markt vorsichtig geworden. Das Börsendebüt von Realia vom vergangenen Mittwoch war höchst umstritten, da das Unternehmen zunächst einen aus Sicht der Experten zu hohen Emissionskurs angesetzt hatte. Um einen Misserfolg zu vermeiden, senkte Realia in letzter Minute den Ausgabepreis, so dass die Kapitalisierung des Unternehmens statt der erwarteten 1,83 nur 1,80 Mrd. Euro beträgt. Der Start an der Börse verlief dafür gut. „Die Branche muss attraktive Ausgabepreise bieten, wenn sie Erfolg haben will. Die Anleger schauen bei dem stagnierenden Wohnungsmarkt genau hin“, sagt Vasallo. Als nächster Anwärter steht der Projektentwickler Marina d'Or für einen Börsengang in den Startlöchern.

Zwar mischen die heimischen Großbanken wie Santander und BBVA bei fast allen Aktienemissionen mit. Das große Geschäft machen aber die viel erfahreneren europäischen und amerikanischen Konkurrenten. Das soll sich ändern. Santander hat gerade eine Allianz mit der Citigroup unterschrieben, nach der die größte Bank Spaniens künftig bei Börsengängen an der Seite der US-Bank auftreten wird. Allerdings gilt das Joint-Venture nur für mittelgroße Aktienemissionen, die nicht mehr als 500 Mill. Euro betragen.

„Es ist noch nicht klar, was dieser Vertrag im Detail bringen wird. Klar ist jedoch, dass die Santander damit ihre Position als erste spanische Investmentbank gegenüber dem Konkurrenten BBVA stärken wird“, sagt Vasallo. Chairman Emilio Botín sei wesentlich entschlossener als BBVA-Chef Francisco González, sich im Investment–Banking über die Landesgrenzen hinaus einen Namen zu machen.

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