Bankenkrise
Anlegerschützer verklagen Hypo Real Estate

Das Debakel um die Münchener Immobilienbank Hypo Real Estate wird auch juristisch ein Nachspiel haben. Die Anlegerschützer der DSW stellten jetzt Strafanzeige gegen die verantwortlichen Manager des Konzerns. Und auch das Unternehmen selbst lässt die Vorwürfe prüfen.

FRANKFURT. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat heute Strafanzeige gegen die verantwortlichen Manager des Münchener Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate gestellt. Im Kern geht es darum, ob Vorstand und Aufsichtsrat die Lage des börsennotierten Unternehmens korrekt dargestellt haben oder ob sie die Anleger bewusst über den desolaten Zustand der Irland-Tochter Depfa getäuscht haben.

Aus Sicht der Aktionärsschützer besteht der Verdacht des Betrugs und der fehlerhaften Kapitalmarktinformation. Außerdem liege möglicherweise ein Verstoß gegen das Verbot der Marktmanipulation vor.

Die Hypo Real Estate (HRE) war im Zuge der internationalen Finanzkrise in massive Geldnöte geraten und erst Anfang Oktober durch ein 50 Milliarden Euro schweres Rettungspaket der Pleite entronnen, nachdem sich immer neue Liquiditätslöcher bei ihrer Irland-Tochter Depfa aufgetan hatten. Vorstandschef Georg Funke hatte das Unternehmen am vergangenen Dienstag nach massiver Kritik verlassen müssen. HRE-Aufsichtsratschef Kurt Viermetz trat nur wenige Tage später, am Freitag, zurück.

Die Staatsanwaltschaft München prüft zurzeit, ob sie Ermittlungen gegen Funke und Viermetz einleiten will. Und auch das Unternehmen selbst lässt die Vorwürfe gegen die alte Führung untersuchen. Der Aufsichtsrat habe die Kanzlei Milbank Tweed Hadley McCloy LLP mit der Prüfung möglicher Pflichtverletzungen durch Ex-Chef Georg Funke und den zurückgetretenen Vorstand Bo Heide-Ottosen beauftragt, teilte die Hypo Real Estate mit. "Im Interesse des Unternehmens und aller Beteiligten hat sich der Aufsichtsrat zu dieser im Ergebnis offenen Untersuchung durch eine unabhängige, renommierte Kanzlei entschieden", sagte der kommissarische Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Pohle laut Mitteilung.

Die unrichtige Darstellung einer börsennotierten Gesellschaft kann laut Aktiengesetz mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Würde den Verantwortlichen Untreue oder Betrug nachgewiesen, drohen ihnen bis zu zehn Jahren Haft. Die HRE und ihr Management hatten derartige Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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