Barclays-Volkswirt im Interview: „Das Geld wird weniger wert sein“

Barclays-Volkswirt im Interview
„Das Geld wird weniger wert sein“

Mehr Geld macht eine Volkswirtschaft nicht reicher, sondern ärmer, sagt Thorsten Polleit, Deutschland-Chefvolkswirt von Barclays Capital. Er warnt vor der Geldvermehrung durch die Notenbanken. Die Folge sei Inflation.
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Handelsblatt: Weltweit haben sich die Länder im Zuge der Finanzkrise hoch verschuldet. Wie groß ist die Gefahr, dass Staaten Pleite gehen?

Thorsten Polleit: Pleite gehen heißt, dass die Bürger ihren Zins- und Tilgungszahlungsverpflichtungen, die sie auf ihre Staatskredite zu leisten haben, nicht mehr nachkommen können oder wollen. Das wird wohl nicht geschehen. Denn wenn es hart auf hart kommt, werden ihre Zentralbanken neues Geld drucken, um die offenen Rechnungen zu bezahlen. Die Regierungen werden ihre Verbindlichkeiten begleichen, aber das Geld, das sie auszahlen, wird wohlmöglich weniger wert sein, als das, was die Kreditgeber ihnen ehemals geliehen haben.

Die Politik der Notenbanken hat eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung der Krise gespielt. Was sind die Folgen?

Man sollte nicht glauben, dass die Politik der Geldvermehrung die 'Krise' löst. Sie kaschiert allenfalls die Symptome des Problems. Wenn es eine Lehre gibt, so ist es die: Mehr Geld macht eine Volkswirtschaft nicht reicher, sondern ärmer. Denken sie nur an Simbabwe: Wenn Geld für Wohlstand sorgt, müsste dieses Land jetzt nicht unermesslich reich sein? Leider ist es meist so, dass Zentralbanken nicht den Interessen der Bürger dienen, sondern denen der Regierenden.

Führt die Ausweitung der Geldmenge denn zwangsläufig zu Inflation?

Ja. In früheren Zeiten war für die Ökonomen Inflation gleichbedeutend mit Geldmengenausweitung. Und das war eine richtige Lesart. Der Tauschwert des Geldes schwindet notwendigerweise, wenn die Geldmenge steigt. Dass das heute vielfach nicht erkannt wird, liegt an falschen Lehren: Für die meisten ist Inflation gleichbedeutend mit steigenden Preisen. Steigende Preise sind aber nur ein mögliches Symptom einer steigenden Geldmenge.

An den Finanzmärkten drohen neue Spekulationsblasen. Auch eine Folge der Geldvermehrung?

Auch das drastische Ansteigen von Vermögenspreisen - Sie mögen es als Spekulationsblasen bezeichnen - ist, wenn es nicht einhergeht mit dem Absinken der Preise anderer Güter, symptomatisch für die Entwertung des Geldes. Spekulationsblasen sind also in der Regel nichts anderes als eine Form der Geldentwertung.

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  • Lieber Herr Polleit und Andere!

    Wer vom Tauschwert des Geldes spricht, hat das Wesen des GELDES nicht begriffen!!
    Geld war und ist niemals ein TAUSCHMiTTEL!!!
    Auf inflation folgt DEFLATiON !
    Amen!
    Sie werden es alle noch erleben - sofern Sie es ueberleben!

  • warum taucht in den vielen Artikeln nur einmal das Wort Hyperinflation auf ? denn sie schleicht um das Haus,egal wie hier was begründet wurde,zurechtgelegte gute gedanken,wobei die Zukunft am Horizont klar sichtbar erscheint,allein die Lösungen werden nicht genannt.ein ende war zu sehen mit den verlassen des weges der sozialen Marktwirtschaft,hin zu entfesselten Gier,es ist belanglos ob der euro die DDR-mark im sinkflug toppen wird,normal wäre ein neubeginn nur denkbar mitgewinnsicherung der wenigen reichen indem man viele arme opfert .also ein neues spiel meine herren

  • ich werd auch Chefökodingsda...
    1+1=2....kann ich auch
    Ausufernde Fiat-Money "Produktion" kriegt uns alle am Arsch

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