Barclays-Volkswirt Thorsten Polleit „Inflation spaltet die Gesellschaft“

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Als Anhänger des Ökonomen Ludwig von Mises müsste Ihnen das Szenario einer "Katastrophenhausse" bekannt vorkommen. Danach flüchten Anleger aus Angst vor massiver Geldentwertung in Sachwerte und Aktien. Es entsteht ein Boom...

... der in einem Crash endet. Es entstammt einem Extremszenario aus den frühen 20er-Jahren der Weimarer Republik. Damals setzte eine Flucht in Sachwerte ein, als allgemein erwartet wurde, dass die Inflation völlig aus dem Ruder läuft. Eine derart ausgelöste "Katastrophenhausse" würde vermutlich teilweise wieder in sich zusammenfallen, wenn nach einer Phase sehr hoher Inflation die politische Entscheidung fällt, die Währung zu stabilisieren oder durch eine neue zu ersetzen.

Was sind die Folgen?

Inflation ist eine schlimme Sache. Sie spaltet die Gesellschaft. Vor allem die unerfahrene Masse verliert, und die Inflation schwächt das Wirtschaftswachstum und lässt die Arbeitslosigkeit ansteigen. Beides spielt freiheitsfeindlichen Politiken in die Hände. Ein Zusammenbruch der Geldordnung - gerade in der heutigen Welt extrem hoher grenzüberschreitender Arbeitsteilung - würde allergrößte wirtschaftliche, aber auch gesellschaftspolitische Schäden nach sich ziehen.

Wie sieht Ihre Lösung aus?

Währungsgeschichtlich betrachtet ist das staatliche Papiergeldsystem nicht der Normalfall, und es ist ganz sicher auch kein fortschrittliches System. Verlässliches Geld war meist mit einem Sachwert, vor allem Silber und Gold, gedeckt. Ich denke, diese Erfahrung wird sich als zukunftsweisend erweisen für die weitere Entwicklung des Geldsystems. Als Ökonom ist zu sagen: Wer gutes Geld fordert, also Geld, das vereinbar ist mit einer freiheitlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, und das nicht fortwährend Finanz- und Wirtschaftskrisen verursacht, weil es eben nicht beliebig vermehrbar ist, der fordert im Kern ein freies Marktgeld, und das bedeutet "Free-Banking".

Thorsten Polleit, geboren am 4. Dezember 1967, ist seit 2000 bei Barclays Capital als Chief German Economist tätig. Daneben lehrt er als Honorar-Professor an der Frankfurt School of Finance & Management. In den vergangenen Monaten hat er bereits desöfteren vor den Gefahren hoher Inflationsraten gewarnt. Polleit gilt als Anhänger der sogenannten "Österreichischen Schule", einer Richtung in der Volkswirtschaftslehre, die für ihre konsequent libertäre Denkweise bekannt ist. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Schule zählt Ludwig von Mises (1881-1973).

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