Bereits 215 Mrd. Dollar Schaden bei Finanzinstituten aufgelaufen
Die dritte Welle der Finanzkrise läuft

Die US-Hypothekenkrise hat die Finanzkonzerne bislang weltweit rund 215 Mrd. US-Dollar gekostet. Allein 55 Prozent der Verluste seien bei US-Instituten angefallen, schätzt die japanische Finanzaufsicht FSA. Europa rangiert nicht weit dahinter mit Verlusten von 78,5 Mrd Dollar. In Asien und Kanada mussten die Finanzinstitute hingegen zusammen nur knapp 14 Mrd. US-Dollar abschreiben, sagte FSA-Chef Takafumi Sato am Montag in Tokio. Es ist die erste offizielle Schätzung dieser Art.

FRANKFURT. Hoffnungen, die Finanzkrise werde sich mit der Vorlage der testierten Jahresabschlüsse beruhigen, sind endgültig vom Tisch. Angesichts weiterer Preisrückgänge für strukturierte Wertpapiere stufen Analysten vielmehr die Ertragsaussichten der Banken weiter nach unten. So senkten die Aktienanalysten von Morgan Stanley am Montag ihre Gewinnprognosen für die US-Banken um insgesamt 8,8 Mrd. Dollar. Die Deutsche Bank kappte in einer Studie das Kursziel für Hypo Real Estate um fast ein Drittel, für Commerzbank und Postbank weniger stark.

Der Preisverfall greife nach Subprime-Krediten, komplexen strukturierten Wertpapieren und Übernahmekrediten jetzt auch auf andere Anlageklassen wie Büroimmobilien und europäische Unternehmensrisiken über, sagte Bankenanalyst Andreas Weese von Unicredit.

Die Verunsicherung zeigt sich in einer teureren Refinanzierung für die Banken. Der Euribor kletterte am Montag auf 4,56 Prozent. Wo Zentralbankguthaben mit einer Laufzeit von drei Monaten normalerweise ein paar Hundertstel mehr kosten als der Leitzins, ist der Abstand nun wieder auf mehr als einen halben Prozentpunkt angewachsen. „Das Finanzsystem ist in großen Schwierigkeiten. Der Vertrauensverlust und das Horten von Cash deuten auf eine ernste Gefahr für die Wirtschaftsentwicklung hin“, warnt HSBC-Chefvolkswirt Stephen King.

Die G7 ist bisher davon ausgegangen, dass weltweit Abschreibungen von 400 Mrd. Dollar nötig sind. Die Kernfrage ist, ob diese Schätzungen angesichts des anhaltenden Abwärtsdrucks in den Kreditmärkten nach oben korrigiert werden müssen. In der vergangenen Woche hat ein Analyst von UBS den Gesamtschaden auf 600 Mrd. Dollar beziffert. Im April werde das Forum für Finanzstabilität mehrere Verbesserungsvorschläge für den Finanzmarkt präsentieren, sagte Nout Wellink, Gouverneur der niederländischen Zentralbank und Vorsitzender des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, sagte, Es sei allerdings nicht gelungen, alle Probleme zu lösen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%