Bereits sechs neue Börsennotierungen in diesem Jahr – Erste Details zur Reform des Segments
Junge Unternehmen setzen auf den Freiverkehr für Emissionen

Der Freiverkehr weckt zunehmend das Interesse für junge aufstrebende Unternehmen als Emissionsplattform. Für spekulativ interessierte Anleger stellen sie jungen Firmen ein interessantes Investment dar.

FRANKFURT/M. Mit dem Studio Babelsberg, Medical Columbus, Nanostart, Xerius Bioscience und den beiden Immobilien-Unternehmen RCM und Frimag ließen sich in diesem Jahr bereits sechs Unternehmen an dem wenig reglementierten Segment listen, die letzten fünf sogar erst im Juni. Mit IFA Systems, einem IT-Unternehmen mit Schwerpunkt auf Software für Augenärzte, soll Anfang Juli bereits der nächste Kandidat folgen.

Gemeinsam ist all den Unternehmen, dass sie für ein Listing in den oberhalb des Freiverkehrs angesiedelten Segmenten General Standard und Prime Standard noch zu klein sind, gleichzeitig aber für spekulativ interessierte Anleger ein interessantes Investment darstellen. So hat beispielsweise die seit dem 29. April notierte Aktie des Filmstudios Babelsberg seit der Emission knapp 70 Prozent an Wert gewonnen.

Positiv sollen die Aussichten nun auch für IFA Systems sein, glaubt Analyst Rüdiger Holzammer von Concord Effekten, die die Emission begleitet. Den fairen Wert der insgesamt 160 000 Aktien, die zwischen dem 27. Juni und dem 4. Juli gezeichnet werden können, sieht er bei 31,24 Euro. In Marktkreisen wird davon ausgegangen, dass die Aktien zu einem Preis von etwa 28 Euro platziert werden. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete IFA Systems einen Umsatz von 4,6 Mill. Euro und erzielte dabei einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 1,3 Mill. Euro. In diesem Jahr sollen der Umsatz nach Holzammers Berechnungen auf 5,4 Mill. Euro und das Ebit auf 1,7 Mill. Euro steigen.

Für die Aktie spricht seiner Ansicht nach, dass die monatlich anfallenden Gebühren für so genannte Runtime-Lizenzen bereits 80 Prozent der Fixkosten abdeckt. Risiken sind wie bei Freiverkehrswerten üblich die gewöhnlich niedrigen Aktienumsätze sowie die geringen Regularien, weshalb es beispielsweise auch vielen Fondsmanagern in ihren Bestimmungen verboten ist, in Werte dieses Segments zu investieren. Guido Niemann, Vorstandschef von IFA Systems, betont jedoch, dass sich sein Unternehmen unabhängig davon zusätzliche Verpflichtungen auferlegt hat. So soll ein Unternehmenskalender und ein Unternehmensprofil im Internet veröffentlicht werden. Zusätzlich werden die testierten Jahresabschlüsse innerhalb von sechs Monaten nach Ende des Geschäftsjahres bekannt gegeben. Außerdem sollen wichtige Unternehmensmeldungen ähnlich wie Adhoc-Mitteilungen am Geregelten Markt, veröffentlicht werden.

Marktkreise gehen deshalb davon aus, dass es sich bei diesen Punkten bereits um die neuen Regeln handelt, mit denen die Deutsche Börse in Kürze den lange Zeit vernachlässigten Freiverkehr aufwerten will. In den vergangenen Wochen war vor allem durch den Erfolg des britischen Alternative Investment Market (AIM) der Ruf nach einem Fenster im Freiverkehr für junge aufstrebende Unternehmen laut geworden. Vor zwei Jahren wurde der Neue Markt als eigentliche Plattform dafür abgeschafft. Seither fehlte eine Alternative. Berater wie Volker Fitzner von Pricewaterhouse Coopers hatten dies stets gefordert, weil sie starkes Interesse bei ihren Kunden spürten. Geringe Regeln, ein leichter Zugang und überschaubare Kosten sollten die Kriterien sein.

Die Deutsche Börse hatte zuletzt mit Marktteilnehmern über Vor- und Nachteile diskutiert. Nach Auskunft einer Sprecherin gibt es aber noch keine abschließende Entscheidung. Zumindest im Juni sei nicht mehr damit zu rechnen, hieß es.

Offensiver gehen indes die Unternehmen, die bald im neuen Freiverkehrsfenster vertreten sein könnten, damit um. „Wir haben die zusätzlichen Verpflichtungen bewusst auf uns genommen, um dort vertreten zu sein“, sagt Guido Niemann.

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