Bert Flossbach im Interview
„Das ist ein Freibrief für die Enteignung“

Bert Flossbach klagt über Gehaltsexzesse von Managern und mangelnde Ehrlichkeit bei Banken. Das will der Vermögensverwalter nicht hinnehmen. Was ihn ärgert, was er fordert und wie er seine Macht als Aktionär nutzen will.
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Von seinem Büro im 25. Stock eines gläsernen Turms schaut Bert Flossbach auf Köln herab, an schönen Tagen ist die Sicht frei bis zur Eifel. Meistens hat der Vermögensverwalter einen der acht Bildschirme auf seinem Schreibtisch im Blick. Flossbach war in den vergangenen Jahren einer der erfolgreichsten Geldmanager in Deutschland. Zusammen mit Kurt von Storch verwaltet er rund 14 Milliarden Euro im Auftrag seiner Kunden. Am liebsten investiert er in Aktien.

Herr Flossbach, ein Thema bewegt Sie gerade besonders: Hohe Gehälter in den Vorstandsetagen. Was stört Sie?
Wir beobachten mit großer Besorgnis, dass die Gehälter von Managern exorbitant steigen, obwohl die Leistung in vielen Fällen das nicht rechtfertigt. Die Entwicklung hat in Amerika angefangen, bei Unternehmen wie General Electric oder den Banken, mittlerweile ist sie in Deutschland angekommen.

Verdienen deutsche Manager zu viel?

In den 1990er-Jahren waren die Gehälter deutscher Dax-Chefs vergleichsweise gering. Das ist nicht mehr so. Wir sind bei Gehältern angekommen, die bei den erfolgreichen Chefs gerade noch nachvollziehbar sind, bei einigen aber viel zu hoch ausfallen.

Woran liegt das?

Das schaukelt sich hoch. Die Manager schauen auf die Gehaltslisten wie auf eine Bundesligatabelle. Sie vergleichen untereinander: Wer liegt noch vor mir – und sollte ich nicht eigentlich davor liegen!? Dann wird beim Aufsichtsrat eine Erhöhung durchgesetzt.

Das klingt, als hätten wir es nur mit unersättlichen Geldgeiern zu tun.

Das Verhalten ist ganz menschlich. Sie können noch so zufrieden sein mit Ihrem Gehalt. In dem Moment, in dem Sie erfahren, dass ein anderer, den Sie für weniger qualifiziert halten, mehr verdient, bricht Ihr Glück zusammen.

Transparenz bei Vorstandsgehältern ist also ungesund?

Ich bin sehr für Transparenz – an der richtigen Stelle. Als Aktionär will ich zum Beispiel wissen, nach welchen Kriterien bestimmte Boni bezahlt werden. Boni sollten Belohnung für besondere Leistungen sein, aber in vielen Fällen sind sie das nicht. Stellen Sie sich vor, der FC Bayern München würde seinem Trainer eine Sonderprämie für das Erreichen des Klassenerhalts zahlen. Absurd, aber leider Realität in vielen Unternehmen.

Wenn ein Unternehmen solche Dinge zulässt, könnte man sagen: selbst schuld.

Den Schaden haben aber die Eigentümer. Es ist ihr Geld, was dort verbrannt wird. Das lässt sich auch am Aktienkurs ablesen. Schauen Sie sich die Deutsche Bank an – die Aktie notierte vor 20 Jahren höher als heute. Von anderen Banken, die noch schlechter waren, wollen wir hier gar nicht reden.

Sind überzogene Gehälter und Boni vor allem ein Problem der Banker?

Das Problem ist im Investmentbanking am größten. Dort gibt es reihenweise Leute, die selbst keinerlei unternehmerisches Risiko tragen, aber in unvorstellbare Gehaltssphären vorstoßen. Dort können 30-jährige „Talente“ so viel verdienen, wie ein erfolgreicher Unternehmer am Ende eines langen Arbeitslebens, wenn überhaupt. Der Banker geht Risiken ein, der Unternehmer trägt sie, das ist ein feiner Unterschied. Während die Banken hier teilweise zurückrudern, nehmen die Auswüchse in anderen Branchen eher zu. Es führt dazu, dass die Unternehmen, die überzogen hohe Gehälter nicht zahlen wollen, Schwierigkeiten bekommen, gute Leute zu finden.

Kommentare zu " Bert Flossbach im Interview: „Das ist ein Freibrief für die Enteignung“"

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  • @Pro-D
    Wenn ueberhaupt sollten die Manager nach dem MEHRERTRAG den sie erwirtschaften belohnt werden. D.h. Manager 1 wuerde 100 Mio Gewinn machen, Manager 2 200 Mio. Dann kann Manager 2 auch max 20 Mio mehr als Manager 1 verdienen.

    Warum "nur" 20 Mio? Ganz einfach: Soll der doch SELBST durch eigene Arbeit mal 200 Mio machen. Geht nicht. Er braucht die Firma. Oder zahlen Sie noch 1.5-2% Managementgebuehr bei Fonds, obwohl es ETFs gibt? Das muss schnellstens auch bei Managern passieren. Kosten runter, Rendite rauf!

    Ich faende es extrem spannend, das Top-Management nach Indien zu verlagern. Es waere interessant, ob die Firma dann wesentlich mehr Ertrag erwirtschaftet, wegen des guenstigeren Managements!

  • Keiner will beschissen werden, aber wir bescheißen uns alle gegenseitig. Dies beginnt damit, dass die meisten von uns nicht so recht verstanden haben, was Geld eigentlich ist und welche Funktion der Zins in einen modernen Kreditgeldstandard tatsächlich hat. Eine extreme Ungleichverteilung von Geld, zu der auch die von Flossbach zu Recht kritisierten exzessiven Gehälter gehören, entziehen der Realwirtschaft Nachfrage und wirken als Brandbeschleuniger in einer deflationären Phase, in der Geld zu einem eigenständigen Asset wird.

    @ Pro-D
    Da bin ich ganz anderer Meinung. Mit individueller Höchstleistung bei gleichzeitiger Haftungsfreistellung haben solche Exzesse nichts zu tun. Von daher sollten alle Gehälter über 500.000 EUR steuerlich nicht länger abzugsfähig sein. Alles andere wirkt zudem aus saldenmechanischer Sicht systemzerstörend. Wer sein bisheriges Wissen zum Thema Geld und Zinsen überprüfen möchte, der kann dies hier tun: http://zinsfehler.wordpress.com/

    Sapere aude!
    Michael Stöcker

  • Guter Mann, der Herr Flossbach.Wenn wir nur solche Geldmanager hätten, würde uns so manche Krise erspart bleiben. Eigentlich kann man jedes Wort unterstreichen. Ich werde meine Kohle auch weiterhin bei ihm anlegen!

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