Bill Gross meldet sich zurück
„Die Notenbanken allein bringen es nicht“

Kaum ist der Ex-Chef des Anleihemanagers Pimco beim neuen Arbeitgeber Janus Capital angekommen, haut er schon mächtig auf den Putz. Im ersten Investmentausblick fordert er die Staaten auf, sich höher zu verschulden.
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DüsseldorfKnapp zwei Monate ist es nun her, dass Bill Gross seinen Schreibtisch beim weltgrößten Anleihemanager Pimco geräumt hat. Doch wer dachte, Gross würde fortan in der Versenkung verschwinden, sich im Hintergrund halten, hat sich geirrt. Kaum beim neuen Arbeitgeber, dem Asset Manager Janus Capital, angekommen, verfasst er einen Investmentausblick, der es in sich hat. Kritik bekommen vor allem die Notenbanken ab.

So beginnt der am Mittwoch veröffentlichte Outlook mit den Feststellung, dass sich allein mit einer lockeren Geldpolitik der Notenbanken das Wachstum in den entwickelten Volkswirtschaften – allen voran den USA und Euroland – nicht ankurbeln lasse. Die Idee, Wachstum nur über mehr und mehr Geld zu generieren, habe offensichtlich nicht funktioniert.

Zwar hätten die ultralockere Geldpolitik der weltweiten Notenbanken bewirkt, dass Billionen von Dollar in die Wirtschaftskreisläufe geflossen seien: In den USA waren es vier Billionen Dollar, in Japan umgerechnet zwei Billionen Dollar und eine Billionen Dollar in der Eurozone: „Aber es hat nicht gewirkt“.

Statt in die Realwirtschaft sei das ganze Geld „in den Zementmixer der Märkte gekommen und dann im Finanzsystem versandet.“ Das habe zur Folge gehabt, dass Preise zwar gestiegen seien – aber letztlich die falsche Preise. „Der Kurs der Alibaba-Aktie zum Beispiel ist nach dem Börsengang geradezu explodiert, während die Reallöhne seit Jahren stagnieren.“

Damit die „richtigen“ Preise steigen – und die Wirtschaft in der Konsequenz wächst – brauche es also einen Ansatz, der die reine Geldpresse-Politik der Notenbanken ergänzt. Die Alternative, die Gross dann allerdings präsentiert, dürfte so manchem (konservativen) Fiskalpolitiker einen Schrecken einjagen.

Denn Gross plädiert für mehr staatliche Investitionen und damit – mehr Staatsverschuldung. Die Staaten sollten nicht ständig auf ihren Haushalt achten, so die These. „Solange staatliche Defizite als Fluch gelten und der Fokus auf ausgeglichenen Haushalte liegt, ist die Deflation eine ernste Gefahr für das Wachstum der Weltwirtschaft“.

Sara Zinnecker
Sara Zinnecker
Handelsblatt online / Redakteurin

Kommentare zu " Bill Gross meldet sich zurück: „Die Notenbanken allein bringen es nicht“"

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  • Warum sollte Gross den Mund halten - schließlich hat er einiges zu sagen.

    Völlig richtig, daß die Notenbanken nur Schwäche verbreiteten mit ihrer sinnlos hektischen Gelddruckerei - immerhin zu Lasten der Menschen und nicht etwa aus eigener Vollkommenheit.

    Profitiert haben nur wenige - und Arme und Mittelklasse stiegen ab.

    In der tat bleibt einem Finanzmenschen allein die weitere Verschuldung, denn er will weiter Geld verdienen. Dazu braucht es Macht und Willen, die Maschine weiter laufen zu lassen - Politik eben.

    Die natürlich Alternative wurde seit 2008 verschleppt.
    Indem Geld gedruckt wurde, übertünchte man all die gigantischen Schäden, die angerichtet wurde - ausgehend von Politikern, vor allem Clinton mit dem Subprime-Finanzierungsprogramm.

    So wird es unumgänglich den verschleppten Konkurs der Finanzmärkte endlich nachzuholen.
    Gross und andere wird es nicht gefallen, ist jedoch unumgänglich.

  • So, so. Bill Gross spielt jetzt anscheinend Golf mit Paul Krugman und Joseph Stiglitz.

    Und der Bondkönig meint nun, dass seine Schuldner sich mehr verschulden sollten, um ihre Schulden begleichen zu können. Dass wir noch mehr Arbeitsbeschaffungsmassnahmen auf Pump brauchen, da alle frühren Massnahmen dieser Art ja leider nicht gefruchtet haben.

    Deshalb nehme ich an, dass er bald in Pension gehen will. Also denkt er genau wie jeder andere US-Anleihemanager in unseren Tagen: "Noch ein paar Male in Ruhe den Jahresbonus kassieren und nach mir die Sintflut."

    Die Politiker dieser Welt denken zufälligerweise genauso: "Noch ein paar Male in Ruhe das Wählermandat erneuern, und dann ist der ganze verfahrene Mist nicht mehr mein Problem."

    Kein Wunder, dass Politiker und US-Ökonomen sich in neuerer Zeit so wunderbar verstehen.

  • Billy Boy, Du bringst es auch nicht mehr. Mach mal ein Praktikum beim Hasenstab.

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