Birmingham hofft als erste Stadt auf einen lokalen Handel, doch die Zweifel in London sind groß
Regionalbörsen bringen sich in England wieder ins Gespräch

Während die sieben Regionalbörsen in Deutschland nach dem Scheitern der Nasdaq-Pläne in Berlin davon ausgehen, dass nur zwei bis drei von ihnen mittelfristig überleben, debattieren die Briten – wieder einmal – über eine Renaissance der Regionalbörsen. Diesmal plant offenbar eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft in Birmingham, die dortige Handelsplattform wiederzubeleben.

LONDON. Die Gesellschaft heißt Advantage West Midlands (AWM). Sie denkt an eine Internet-Plattform, auf der sich Titel regionaler Firmen handeln lassen, die durch öffentliche Mittel und Wagniskapitalfonds ins Leben gerufen wurden. Diese Unternehmen dürften damit selbst für den sonst üblichen Sammelplatz für Wachstumsfirmen, den Londoner AIM-Markt, zu klein und unreif sein. Noch in diesem Jahr will AWM die IT-Aufträge für das Projekt vergeben.

Die Initiative überrascht, zumal die britischen Regionalbörsen eigentlich seit langem ausgestorben sind. Schon 1973 wurden die elf Handelsplätze außerhalb von London mit der Hauptstadt zur „Börse von Großbritannien und Irland“ vereinigt. Fortan existierten die Plätze nur noch als Regionalvertretung in großen englischen und schottischen Städten wie Birmingham, Liverpool oder Glasgow sowie im irischen Dublin. Ende der 80er-Jahre gab sich die London Stock Exchange (LSE) eine neue Regionalstruktur, und der lokale Handel verschwand komplett. Als letztes Überbleibsel trennte sich Dublin 1995 auf Weisung der Europäischen Union von der LSE.

Dass die Regionalbörsen nun vor einem Comeback stehen könnten, wird unterschiedlich aufgenommen. Ein Sprecher der Londoner Börse freut sich schon über den neuen Service, der „ein sehr gutes Komplementär-Angebot für unseren AIM-Markt werden könnte“.

In der City jedoch wird die Nachricht mit unverhohlener Skepsis aufgenommen – vermutlich, weil solche Meldungen regelmäßig auftauchen und meist ohne Folgen bleiben. Das britische Wirtschaftsministerium startete vor gut drei Jahren eine eigene Initiative, gleich eine Reihe von Regionalbörsen im Land zu etablieren. Heute will man im gleichen Ministerium nicht einmal mehr Auskünfte zu dieser Initiative geben: „Selbst wenn wir es getan haben, haben wir es vermutlich mittlerweile vergessen.“

Selbst ambitionierte unabhängige Projekte wie ScotX, die ihren Start schon für den Februar 2003 angekündigt hatte, kommen nicht über das Ankündigungsstadium hinaus. „Die Marktbedingungen wirken sich auf unsere Pläne aus“, sagt Stephen Robertson, Chef von ScotX. Ähnliches gilt für Projekte mit illustren Namen wie 535K oder Sharemark, die Börsen für nicht notierte Firmen etablieren wollen. Entweder sie fristen ein karges Dasein mit einigen Alibi-Firmen und kaum Umsatz oder sie kommen erst gar nicht aus den Startlöchern.

Die AWM hofft, dass es in Birmingham anders läuft. Ein offizielles Statement war gestern zunächst nicht zu bekommen. Vorstandschef John Edwards wird jedoch wie folgt zitiert: „Es ist keine Herausforderung, Unternehmen zu finden, die Investoren brauchen. Unsere Herausforderung wird es sein, Investoren zu bekommen, die ihr Geld in regionale Unternehmen stecken.“

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