Bislang keine verbindlichen Angebote
Kaufinteressenten blicken in LSE-Bücher

Drei bis vier Tagen lang gewährt die Londoner Börse (LSE) den beiden Kaufinteressenten Deutsche Börse und Euronext nach Informationen aus mit der Situation vertrauten Kreisen nun Einblick in ihre Bücher.

HB LONDON. Die LSE wolle die Konkurrenten auf diese Weise zu einem Angebot bewegen, bevor die britischen Aufsichtsbehörden über deren Anträge entschieden, sagte mit dem Sachverhalt Vertraute am Dienstag. Die LSE habe beiden Interessenten einen Datenraum zur Verfügung gestellt. Die Durchsicht durch die dort ausgelegten Informationen werde drei bis vier Tage dauern. Alle drei Börsen lehnten eine Stellungnahme dazu ab.

Die Deutsche Börse und Euronext wollen die LSE übernehmen, rechtlich bindende Angebote haben beide aber noch nicht vorgelegt. Während die Deutsche Börse bereits im Dezember 2004 eine Preisvorstellung von 530 Pence je LSE-Aktie - insgesamt knapp zwei Milliarden Euro - genannt hat, hat sich die Euronext bislang nicht über einen möglichen Preis geäußert. Dadurch hat sich in der Sache seit Dezember 2004 im Grunde nichts bewegt.

Von der britischen Marktaufsicht Office of Fair Trade (OFT) wird bis Ende März eine Entscheidung erwartet, ob sie die Anträge der beiden Kaufinteressenten genehmigt oder sie an die Wettbewerbsaufsicht weiterleitet. Im letzteren Fall rechnen Experten mit einer Entscheidung nicht vor September.

Analyst: LSE-Schritt nachvollziehbar

Der Schritt der LSE solle den Interessenten helfen, zu einem Angebot zu kommen, hieß es aus dem Umfeld der Verhandlungen zwischen der LSE mit den beiden potenziellen Käufern. „Sie (die LSE-Führung) will den Prozess offensichtlich wiederbeleben.“

Analysten zeigten Verständnis für die Lage des LSE-Managements. „Es ist verständlich, dass das LSE-Management eine schnelle Beendigung der Transaktion bevorzugt. Vor dem Hintergrund des wachsenden Widerstands unter den Aktionären der Deutschen Börse, steigt das Risiko, dass die LSE nicht einmal die 530 Pence aus dem Angebot der Deutschen Börse erhalten könnte“, sagte Martin Praum, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Daher wachse der Druck der LSE-Anteilseigner auf das eigene Management.

Die LSE-Aktien hatten auf das Angebot der Deutschen Börse im Dezember zunächst mit einem Höhenflug auf 600 Pence reagiert, weil ein Bietergefecht zwischen der Euronext und dem Frankfurter Wettbewerber erwartet wurde. Zuletzt wuchs aber der Widerstand unter den Aktionären der Frankfurter Börse gegen den von einigen als zu hoch eingestuften Kaufpreis. In der Folge fiel der LSE-Aktienkurs am Dienstag zeitweise sogar unter die Marke von 530 Pence.

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