Blick hinter die Kulissen
Das „Schwarzbuch“ der Aktionärsschützer

Mit dem "Schwarzbuch Börse" kämpft die SdK seit Jahren für Transparenz an der Börse und gegen Bauernfängerei mit Aktien. Komisch, dass gerade die Aktionärsschützer solch dubiose Investments besonders gerne tätigen, sich dabei aber nur ungern beobachten lassen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Geschichte beginnt am Maifeiertag dieses Jahres. Um 15.13 Uhr stellt der Nutzer "Memyselfandi007" im Börsenforum Wallstreet-Online eine umfangreiche Analyse zur Aktie der Firma Wirecard ins Internet. Die für Laien kaum verständliche Bilanzanalyse ist brisant. Man finde Erstaunliches in den Bilanzen des TecDax-Unternehmens, alles sehe nach systematischer Ausplünderung der Erlöse aus den Kapitalerhöhungen aus, schreibt der Autor mit dem selbstverliebten Alias. "Warten wir mal ab, wie lange das Spielchen noch funktioniert, langsam dürfte die Luft allerdings dünn werden", schließt "Memyselfandi007" vielsagend.

Markus Straub hat sich von dem Beitrag auf Wallstreet-Online inspirieren lassen und investierte. Mit komplexen Hebelprodukten setzt der stellvertretende Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) seit Mitte Mai auf einen Kursverfall bei Wirecard. Und der tritt auch ein. Nachdem Straub Hebelprodukte gekauft hat, wirft die SdK Wirecard unter anderem "irreführende Jahresabschlüsse" vor. Die Folge: Die Aktie des Unternehmens fiel seit Anfang Mai von gut 14 Euro auf 5,60 Euro. Rund 700 Millionen Euro Börsenwert sind futsch. Straubs Spekulation ist aufgegangen.

Seit gestern ist auch Straub futsch. Der 39-Jährige trat von seinem Amt als Vize-Vorsitzender der SdK zurück. Straub zog die Konsequenz aus der Schlammschlacht, die sich Wirecard und die SdK seit Tagen liefern und die inzwischen auch die Gerichte beschäftigt. Die Finanzaufsicht BaFin ermittelt gegen die SdK, Straub, weitere Spekulanten und auch Wirecard. Es geht um Morddrohungen, Millionenverluste und den Verdacht gezielter Marktmanipulationen.

Und Letzterer könnte sich nach Handelsblatt-Informationen bald nicht nur gegen Markus Straub richten. Denn auch andere führende Funktionäre und Ex-SdK-Sprecher haben sich an spekulativen Börsengeschäften versucht - genau diejenigen Geschäfte mit "Pennystocks", vor denen die SdK in Publikationen wie ihrem "Schwarzbuch Börse" regelmäßig warnt.

Wenn es darum geht, Geld zu verdienen, halten Vorstand, Sprecher und Ex-Funktionäre der SdK zusammen. Dabei, scheint es, haben sie sich Mühe gegeben, ihre Namen hinter diversen Firmennamen zu verbergen. Und ihnen könnte genutzt haben, dass Börsenbriefe und Anlegermagazine bestimmte Aktien in den Himmel lobten. Zusammen laufen die Indizien samt und sonders in München, wo auch die SdK residiert.

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