Börse
China-Aktien: Eine unheimliche Rally

Der chinesische Aktienmarkt hat sich seit Jahresbeginn besser entwickelt als jede andere Börse auf der Welt. Aktienstrategen und Fondsmanager hoffen auf weitere Gewinne. Doch die Rally könnte so schnell vorbei sein wie sie begonnen hat. Statt Geld aus dem Konjunkturprogramm zu investieren, haben viele Unternehmen angeblich mit Aktien gezockt - und so die nächste Blase aufgepumpt.

FRANKFURT. Investoren macht die Börse zurzeit wenig Freude. Es sei denn, sie haben ihr Geld in den chinesischen Aktienmarkt gesteckt. Seit Jahresbeginn hat der chinesische Leitindex, der Shanghai Composite, stolze 20 Prozent zugelegt. Das ist laut Datenanbieter Bloomberg weltweit die beste Entwicklung unter 90 Börsenbarometern. Wahrgenommen hat die kleine Rally hierzulande kaum jemand. Die Kunde von Kursgewinnen in Fernost ging unter im Gejammer um den heimischen Dax.

Was haben uns die Chinesen voraus? Experten sind der Meinung, dass der chinesische Aktienmarkt seinen Ausverkauf - im Gegensatz zu den Märkten des Westens - schon hinter sich hat. "China kommt aus dem Krisental bereits wieder heraus", sagt Lode Vermeersch vom belgischen Fondsanbieter KBC. Seine Gesellschaft sei bei chinesischen Aktien bereits "deutlich übergewichtet".

Im vergangenen Jahr stürzte der Schanghai-Index fast ungebremst ab: von 5 700 Punkten auf 1 700 Punkte. Den Boden erreichte der Index im Oktober. Seitdem legt er stetig zu und steht jetzt wieder bei 2 200 Punkten. Anders der deutsche Leitindex: Bis zum Oktober lag der Dax noch bei 6 000 Punkten, brach dann aber so richtig ein. Jetzt taumelt er von einem Tiefstand zum nächsten und steht so schwach da wie zuletzt 2004. Vorläufiger Tiefpunkt: 3 600 Punkte. Die Talfahrt dauert an.

Wie aus einer aktuellen Umfrage der britischen Bank HSBC hervorgeht, wollen daher immer mehr Fondsmanager in China investieren. 76 Prozent der befragten Manager sagen, sie wollten ihr Engagement ausbauen. Im vorherigen Quartal erklärten dies nur 50 Prozent. Gleichzeitig will keiner der Befragten seine Positionen reduzieren, im Vorquartal hatten noch 38 Prozent darüber nachgedacht. Die Teilnehmer an der Umfrage verwalten nach Angaben von HSBC ein Anlagevolumen von zusammen 2,5 Mrd. Euro. Mark Mobius von Templeton Funds erklärte in einem Interview vor einigen Wochen: "Wir kaufen ziemlich aggressiv chinesische Aktien".

Was die Strategen so zuversichtlich macht: Die chinesische Regierung will die heimische Wirtschaft durch ein riesiges Konjunkturprogramm in Höhe von umgerechnet 450 Mrd. Euro ankurbeln. Das Geld soll in die in die Infrastruktur fließen und Steuererleichterungen ermöglichen. Die Finanzierung fällt den Chinesen dank ihrer Devisenreserven von umgerechnet 1,4 Billionen Euro nicht schwer. "Die Chinesen haben hohe Geldsummen zur Verfügung und dicke Bankkonten. Sie beginnen jetzt, ihr Geld auszugeben", sagte Großinvestor Jim Rogers am Rande einer Konferenz in Singapur. Männer wie Rogers oder Mobius, die wegen ihrer Erfolge in der Vergangenheit gerne auch als Anlegergurus tituliert werden, werben bereits seit langem für China.

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