Börse Inside
Ist 1:7 zu verlieren negativ für Aktien?

Eine Niederlage, wie das 1:7 der Sele çã o gegen die Nationalelf, erschüttert nicht nur die brasilianischen Fußballfans. Sie lastet auch auf der Stimmung von Investoren und Verbrauchern - mit Folgen für den Aktienmarkt.
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Ein Verlust Brasiliens bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land wäre gut für die Finanzmärkte des Landes, waren sich Marktbeobachter vor dem gestrigen Tag einig. Denn das würde auf die Stimmung der Bevölkerung schlagen und dazu führen, dass Präsidentin Dilma Rousseff nicht wiedergewählt wird. Rousseff wird von vielen die Schuld daran gegeben, dass die Wirtschaft in eine Stagflation gesunken ist.

Das 7:1 Debakel am gestrigen Abend gegen Deutschland war jedoch so niederschmetternd, dass diese Theorie dadurch ausgehebelt wurde, sagt Geoffrey Dennis, Leiter Schwellenlandstrategie bei der UBS in Boston, der Brasilien seit den 90er-Jahren beobachtet. Zwar rechnet er nach wie vor damit, dass die Chancen Rousseffs auf eine Wiederwahl im Oktober gesunken sind. Gleichzeitig sei das Ergebnis jedoch so einseitig, dass dadurch das Vertrauen von Investoren und Verbrauchern in einem fußballbegeisterten Land erschüttert worden sein könnte, sagt er.

„Die Niederlage war eine derartige Demütigung, dass man sich fragt, ob sie nicht eine negative Wirkung auf die Psyche der Brasilianer haben wird”, sagte Dennis im Telefoninterview nach dem Spiel. „Es wird den Leuten bestätigen, dass ihre Wirtschaft herumkrebst, kein Wachstum erzielt werden kann und dass sie jetzt auch keine vernünftige Fußballmannschaft mehr haben.”

Am heutigen Mittwoch sind die brasilianischen Märkte feiertagsbedingt geschlossen. Der Aktien-Leitindex Bovespa hat seit seinem Tief am 14. März 19 Prozent aufgeholt - nicht zuletzt aufgrund von Spekulationen, dass angesichts der sinkenden Popularität von Rousseff eine neue Regierung gewählt werden könnte, die der Wirtschaft wieder auf die Beine hilft.

Weiter unter Druck könnten die Märkte des Landes kommen, sollte es zu größeren Protesten auf den Straßen kommen, während die Popularität der Präsidentin nicht entscheidend leidet, sagt Eamon Aghdasi, ein Stratege bei Société Générale SA in New York. Dies wäre eine „unvorteilhafte Kombination aus strukturellen Bedenken und schwindenden Hoffnungen auf einen Politikwechsel”, erläuterte er.

Dennis, ein britischer Staatsbürger, unterstützte Deutschland beim gestrigen Spiel, da seine Enkelkinder hier leben. Seiner Ansicht nach wird es eine Weile dauern, bis die Brasilianer die psychologische Belastung der Enttäuschung überwunden haben. „Ich rechne nicht mit einer Rally an den Märkten nach diesem Ergebnis”, sagt er. „Brasilien muss diese heftige Niederlage erst einmal überwinden.”

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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