Börse: Neue Dax-Regeln bewegen die Kurse

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Neue Dax-Regeln bewegen die Kurse

Die Deutsche Börse hat erneut die Regeln für den Dax geändert. Davon könnte Fresenius profitieren - die Aktien des Gesundheitskonzerns legen heute bereits kräftig zu. Es gibt aber auch Verlierer: Zwei Dax-Werte könnten schon bald aus dem Index fliegen.

FRANKFURT. Fresenius profitiert von den neuen Index-Regeln der Deutschen Börse. Beim nächsten planmäßigen Dax-Umbau im März könnte der Gesundheitskonzern in den Dax aufrücken. Darauf spekuliert offenbar auch eine Reihe von Anlegern. Bis zum Nachmittag legten Fresenius-Vorzugsaktien um 8,8 Prozent auf 42,17 Euro zu.

Zuvor hatte die Deutsche Börse die Regeln für einen Aufstieg in den Leitindex gelockert. Wenn bei den regelmäßigen Überprüfungen im Dax eine Aktie aus dem Index fliegt – der sogenannte Fast-Exit-Fall –, wird künftig als Nachfolger derjenige Wert bestimmt, der in der Börsen-Rangliste bei der Marktkapitalisierung nach Streubesitz auf Rang 35 oder höher liegt. Gleichzeitig genügt beim Börsenumsatz künftig ein Rang von 45 oder besser. Bislang galt, dass ein Unternehmen nach Marktkapitalisierung und Börsenumsatz zu den 35 größten deutschen börsennotierten Konzernen gehören muss.

Mit der Regeländerung wird Fresenius – auf Basis der Dezember-Rangliste – mit einem Mal zum Favoriten für einen Aufstieg in den Dax. Gemessen an der Marktkapitalisierung belegt das bislang im MDax notierte Unternehmens Platz 28, beim Umsatz liegt das Unternehmen auf dem 37. Rang.

Wenn Fresenius in den Dax aufsteigen würde, hätte dies einen kuriosen Nebeneffekt. Denn damit wäre Fresenius gleich zweimal im Leitindex vertreten. Das Tochterunternehmen Fresenius Medical Care (FMC), an dem Fresenius rund 37 Prozent des Kapitals und 50 Prozent der Stimmrechte hält, ist bereits im Dax notiert. Dialyseanbieter FMC ist zugleich die bedeutendste Beteiligung für Fresenius; daneben gehören dem Mutterkonzern Krankenhäuser sowie Firmen aus dem Bereich der Pharma- und Gesundheitsdienstleitsungen.

Auch Gea, Celesio und Hochtief erfüllen nun die Kriterien für die Dax-Mitgliedschaft – sie liegen aber sowohl bei der Marktkapitalisierung als auch beim Umsatz deutlich hinter Fresenius. Ausschlaggebend für den Umbau im März ist allerdings erst die Rangliste von Ende Februar.

Die Änderung war am Freitagabend nach einer Sitzung des Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse bekanntgegeben worden. Hintergrund der Entscheidung: Die zuletzt extrem gestiegene Volatilität und Rückgänge beim Börsenumsatz der großen Dax-Konzerne hatten zu Verwerfungen im Leitindex geführt. Vor allem institutionelle Investoren, die den Dax als Messlatte für ihr Portfolio heranziehen, klagten über Verzerrungen. Experten hatten die Börse mehrfach aufgefordert mit entsprechenden Maßnahmen zu reagieren.

Für Unmut sorgten die Turbulenzen um die VW-Aktie, deren Kurs zeitweise über 1 000 Euro gestiegen war. Aber auch Infineon bereitete Investoren Kopfzerbrechen. Die Aktie des Chipherstellers war so drastisch eingebrochen, dass sie zuletzt nicht einmal mehr einen Euro kostete. Auch heute fiel die Aktie erneut um fast zehn Prozent auf 61 Cent.

Nach der Dezember-Rangliste wäre Infineon der erste Abstiegskandidat für den Dax-Umbau am 4. März. Ebenfalls gefährdet ist die Postbank, deren Marktkapitalisierung nach den Kursverlusten im Januar deutlich geschrumpft ist.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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