Börse Pakistan
Mit Schwarzgeld an die Spitze

Mit fast 50 Prozent Plus gehörte die Börse Karachi im vergangenen Jahr zu den stärksten Aktienmärkten weltweit. Für ausländische Investoren mit Renditedrang ist das Land ein Geheimtipp. Doch eine Anlage ist heikel.
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KarachiWer von Pakistans Metropole Karachi mit ihren 18 Millionen Einwohnern hört, denkt vermutlich eher an Taliban und Al-Kaida, aber nur selten an eine der erfolgreichsten Börsen der Welt. Mit einer Rendite von 49 Prozent im vergangenen Jahr gehörte die Karachi Stock Exchange (KSE) aber zu den fünf Marktplätzen mit den höchsten Zuwächsen. Nun sucht die Börse einen ausländischen Partner, der sich einkauft und das Management übernimmt.

„Pakistan hat Investoren eine Menge zu bieten und das ist unsere Chance, es zu zeigen“, sagt Firmenchef Nadeem Naqvi. Er will in den nächsten Monaten bei möglichen Investoren für den Finanzplatz werben. Auf seiner Reise-Route liegen Hongkong, London und auch Frankfurt.

In den vergangenen vier Jahren haben sich die Börsen-Kurse in Karachi sogar verdreifacht – traumhafte Wachstumsraten, wenn auch auf niedrigem Niveau. Regierungsvertreter betonen, dieser Erfolg spiegele das wirtschaftliche Potenzial des Landes wider, das ansonsten vor allem durch religiös motivierte Gewalttaten, Anschläge der radikal-islamischen Taliban und den Kampf gegen die Extremisten-Organisation Al-Kaida in die Schlagzeilen gerät. Wenn doch einmal von Unternehmen die Rede ist, dann meist im Zusammenhang mit den häufigen Stromausfällen oder der weit verbreiteten Korruption.

Höhenflug dank Schwarzgeld

Zumindest einen Teil des Kurs-Plus in Karachi schreiben Insider einem Straferlass für Schwarzgeld zu. Denn der Höhenflug begann im vergangenen Jahr mit einem Regierungsdekret, das Aktienkäufern zusicherte, keine Rechenschaft über die Herkunft des Kapitals ablegen zu müssen. „Die Politik und schmutziges Geld gehen in Pakistan Hand in Hand“, kritisiert Ikramul Haq, Anwalt und Steuerexperte. So kommt das eingesetzte Geld zum Teil aus dubiosen Ecken. Ein Anwalt berichtet Reuters über einen zehn Millionen Dollar schweren Aktienkauf. Die Adresse des Investors: ein für seine Taliban-Anhänger berüchtigter Slum.

Doch viele an der KSE gelistete Firmen bieten zweistelliges Gewinnwachstum in einem Markt mit rund 180 Millionen Einwohnern. Bei ausländischen Investoren auf der Jagd nach neuen Märkten und hohen Renditen ist die Börse in Karachi daher so etwas wie ein Geheimtipp geworden.

In diesem Jahr hat allerdings eine elfprozentige Abwertung der pakistanischen Rupie die Börsengewinne von Ausländern aufgefressen. Händler und Analysten weisen auf eine weitere Schattenseite hin: Insiderhandel und Kursmanipulationen sind offenbar an der Tagesordnung. „Es gibt viel Betrug, viele Marktmanipulationen, aber dagegen wird zu wenig unternommen“, prangert der ehemalige Leiter der Rechtsabteilung bei der Aufsichtsbehörde, Ashraf Tiwana, an. Die Aufsichtsfunktion soll jetzt bei der KSE ausgegliedert werden. Und ausländischer Rat ist gefragt: Denn für die Börsen-Reform hat sich KSE-Chef Naqvi die Deutsche Bank als Berater ins Boot geholt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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