Börse: Stimmung am Markt verbessert sich
Die City setzt auf mehr Neuemissionen

In London stehen lukrative Kandidaten für einen Gang an die Börse in den Startlöchern.

LONDON. Eigentlich stehen die Verantwortlichen der Londoner Börse (London Stock Exchange, LSE) selten im Verdacht, Entwicklungen am eigenen Markt herunterzuspielen. Umso überraschender war deshalb ihr Kommentar zum Neuemissionssektor Ende der vergangenen Woche: Die Stimmung am Markt verbessere sich. Man starte aber von einer „sehr niedrigen Basis, und die Marktbedingungen bleiben schwierig“.

Dabei konnte die Börse am Emissionsmarkt auf eine Woche guter Nachrichten zurückblicken. Zwar nicht unbedingt wegen der Firma Cambridge Silicon Radio (CSR), die zur Wochenmitte als größte Technologie-Emission seit drei Jahren an den Markt kam – denn sie sammelte nicht einmal 90 Mill. Pfund (rund 135 Mill. Euro) ein. Doch mit dem irischen Telekomkonzern Eircom und dem Lloyd’s-Versicherungsbroker Catlin Group stehen zwei Schwergewichte am Start. Der größte irische Telekombetreiber, der einst von einem PrivateEquity-Konsortium von der Börse genommen wurde, könnte bei seiner Rückkehr in London und Dublin im Laufe des Monats bis zu 1,26 Mrd. ¤ einsammeln. Den Wert des Catlin-Börsengangs im April schätzt die Gruppe selbst auf mindestens 350 Mill. $ (knapp 290 Mill. Euro).

Damit nicht genug: Auch die Eröffnung eines Regionalbüros der LSE in China hätte zeitlich nicht besser passen können. Nur einen Tag danach kündigte das größte chinesische Infrastruktur-Konglomerat Capital Group den Börsengang an der Themse innerhalb von zwei Jahren an. Es wäre das sechste chinesische Listing an der LSE.

Trotz der Skepsis der Börse keimt bei den Emissionsbanken Optimismus auf. „Der Emissionsmarkt in London ist weit offen“, sagt Ian Hannam, Managing Director der US-Bank JP Morgan Chase. Sam Hart vom Fondsmanager Brewin Dolphin sieht „mehr Risikofreude“ bei den Anlegern. Und James Renwick, Leiter des europäischen Kapitalmarktteams der Schweizer UBS, glaubt, dass nach der Berichtssaison „eine Menge Firmen“ an den Markt kommt.

Damit könnte sich ein Jahr gut entwickeln, das wenig berauschend begann. Drei Firmen am Hauptmarkt und acht im Wachstumssektor AIM konnten bis zum Ende vergangener Woche nicht einmal 200 Mill. Pfund einsammeln. Das Volumen liegt leicht über dem Wert des Vorjahres, ist aber keinesfalls mit dem des Jahrgangs 2000 zu vergleichen, als Börsengänge in einem Monat schon einmal mehr als das 250-fache an Geld einnahmen.

Heute geben den Experten mehrere Dinge Hoffnung: Da sind zunächst die traditionell guten Voraussetzungen eines relativ stabilen Aktienmarktes und geringer Schwankungsbreite sowie einer deutlich gestiegenen Fusionstätigkeit, die sich auch auf den Emissionsmarkt positiv auswirkt. Zudem hat sich das Verhalten der Investoren geändert. Diese fragen stärker nach, die Emissionen sind überzeichnet (bei CSR etwa um das Zehnfache). Statt über den geeigneten Preis nachzudenken, versuchen Anleger eher, überhaupt etwas vom Kuchen abzubekommen: Man sei „weit entfernt von einstigen Übertreibungen“, beruhigt Renwick. Aber: „Die Verkäufer haben heute weniger Einfluss auf den Preis als vor sechs Monaten.“

Die Experten gehen davon aus, dass hochkarätige Kandidaten in den Startlöchern stehen – darunter auch solche, die den Börsengang oft verschoben haben. Zu den üblichen Verdächtigen gehört die Handelskette Halfords und der irische Getränke- und Snackkonzern C&C Group. Beide sind für das zweite Quartal avisiert. Auch der Traditions-Aktienbroker Cazenove taucht stets auf, wenn es um mögliche Kandidaten geht. Die Chancen für eine Emission der Mobilfunksparte Virgin Mobile scheinen nach dem Ende der Virgin-Kooperation mit T-Mobile zwar gestiegen zu sein – allerdings halten sich die Experten hier eher bedeckt: „Nicht in diesem Jahr.“

Zu den vielversprechendsten Kandidaten für ein IPO gehören etablierte Marktführer. Anleger interessierten sich wegen des Konjunkturaufschwungs für Energie-, Bergbau- und sogar Stahlunternehmen. Auch die Finanzbranche sei gefragt. Sogar der Medien-Sektor komme wieder in Mode – was auch der vervierfachte Kurs der EMI Group innerhalb eines Jahres zeigt. Die Zeichen stehen also gut, dass die Londoner Börse ihre ungewohnte Bescheidenheit ablegt.

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