Börse stürzt ab
„Viel spekulatives Geld in der Türkei“

Gewaltsame Ausschreitungen in Istanbul haben auch den Finanzmarkt erschüttert: Die Börse am Bosporus ging auf eine dramatische Talfahrt. Wie Experten den Markt jetzt einschätzen und was Anleger tun sollten.
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Frankfurt/DüsseldorfDie tagelangen Massenproteste gegen die Regierung haben Türkei-Anleger tief verunsichert. Sie warfen am Montag türkische Aktien und Anleihen in hohem Bogen aus ihren Depots. Es bestehe das Risiko, dass die Unruhen anhalten und die Gewalt zunimmt, sagte Timothy Ash, Chef der Schwellenländer-Analyseabteilung bei der Standard Bank. "Ich gehe davon aus, dass die türkische Zentralbank aktiv wird, um die Anleger zu beruhigen."

Angesichts der Krawalle brach der Leitindex der Istanbuler Börse um bis zu 8,1 Prozent ein und markierte mit 79.047,74 Punkten den tiefsten Stand seit Anfang März. Das ist der größte Tagesverlust seit den Turbulenzen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008.

Experten geben aber erst einmal Entwarnung: „Würde sich der türkische Leitindex etwas oberhalb des aktuellen Kursniveaus stabilisieren, dann passten die aktuellen Kursrückgänge noch in den seit 2012 ungebrochenen Aufwärtstrend“, sagt Philipp Dobbert, Volkwirt der Quirin Bank. „Diese Einschränkung für eine Kaufgelegenheit lässt aber schon erkennen, dass wir es beim türkischen Markt eher mit einer Investition für risikoaffine Anleger zu tun haben.“ Tagesschwankungen von zwei bis drei Prozent seien keine Seltenheit. „Dies ist in jedem Fall vor einer Anlageentscheidung abzuwägen und die Investition mit geeignetem und engmaschigem Risikomanagement zu begleiten“, rät Dobbert. „Ganz grundsätzlich bietet ein Wachstumsmarkt wie die Türkei große Chancen, aber auch erhebliche Risiken.“

Auch Frank Ringelstein gibt zu bedenken, dass die türkische Börse nichts für Anleger mit schwachen Nerven ist. „In den letzten Monaten ist sehr viel spekulatives Geld in die Türkei geflossen", sagt der Geschäftsführer der Ringelstein & Partner Vermögensbetreuung in Essen, „was bei aufkommender Unsicherheit schnell wieder abgezogen wird, was gerade auch die Entwicklung des ISE 30 Aktienindex in den letzten Wochen zeigt." Auch wenn die Entwicklung des Aktienmarktes sehr gut verlaufen sei, bleibe die Einschätzung des durch die islamistisch orientierte Regierung Erdogan geprägten Landes sehr schwierig.

 

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  • Die Börse stürzt nicht ab wegen irgendeiner Demonstration, sondern weil Teile der Bevölkerung sich gegen die autoritäre Regierung erheben. Da die AKP die Trennung von Religion und Staat immer weiter rückgängig macht, liegt hier auch erhebliches, religiös motiviertes Sprengpotential. Und ja, die Risiken erhöhter politischer und religiöser Spannungen verunsichern Anleger und spiegeln sich in den Kursen wider. Es braucht keine Verschwörungstheoretiker um dies zu erklären!

  • So ein verlogenes und manipuliertes System !
    Börse stürzt ab wegen Demonstration ???
    Demnächst stürzt die Börse auch ab,weil in China ein Sack
    Reis umfällt...

    In was für einem Maße will man die Menschheit denn noch
    verschaukeln ?

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