Börse Tokio auf 26-Jahres-Tief
Der Nikkei stürzt ins Bodenlose

Im internationalen Vergleich ist die japanische Wirtschaft in der Finanzkrise noch relativ gut weggekommen. Das gilt jedoch nicht für die Börse: Der Nikkei leidet unter den Marktturbulenzen deutlich stärker als andere führende Indizes. Grund ist der massive Anstieg der Landeswährung Yen, der die Exporteure zittern lässt.

TOKIO. Japans Aktienmarkt erlebte am Montag einen historischen Absturz auf ein Tief, das letztmals in früheren Phasen der industriellen Entwicklung des Landes erreicht war. Der Börsenindex Nikkei fiel auf 7nbsp;162 Yen - einen niedrigeren Schlusskurs hatte der Handelsplatz Tokio zuletzt 1982 gesehen. Zum Vergleich: Der deutsche Aktienindex Dax steht zwar auch ziemlich niedrig, ist aber noch knapp 2 000 Punkte von seinem Tiefstand im Jahr 2003 entfernt. Sogar im Ursprungsland der aktuellen Krise sieht es besser aus als in Japan. Der Dow Jones ist in New York noch nicht unter seinen Wert nach der Internetblase 2002 gefallen.

Experten sehen jedoch für den Nikkei den Boden bald erreicht. "Die derzeitigen Aktiennotierungen reflektieren nicht den Wert der Unternehmen und ich denke nicht, dass die Panikverkäufe noch viel länger dauern werden", sagt Ökonom Takuro Morinaga von der Dokkyo-Universität. Der Professor rät zu etwas Geduld mit den Märkten. Es wirke unrealistisch, dass die japanischen Unternehmen heute weniger wert sein sollen als nach ihrer eigenen Finanzkrise in den 1990er-Jahren. Der fallende Ölpreis sei zudem ein Vorteil für Japan, so Morinaga.

Grund für den Absturz ist die Kapitalflucht ausländischer Anleger plus Pessimismus wegen der Gewinnaussichten der japanischen Industrie. Eine starke Aufwertung der Landeswährung Yen dürfte künftig Exporte erschweren, wenn der Kurs gegenüber Dollar und Euro nicht wieder sinkt. In den kommenden zwei Wochen stehen Quartalszahlen der großen Exportmarken Honda, Toyota, Nissan und Panasonic an. Analysten erwarten durchweg Abwärtskorrekturen der Gewinnprognosen. Der Konsumelektronikkonzern Sony ist bereits mit einer Halbierung seines Ausblicks vorangegangen.

Experten des Bankhauses Sumitomo Mitsui erwarten Wechselkurse zwischen 85 und 97 Yen für den Dollar, während der Euro sich zwischen 100 und 123 Yen einpendeln könnte. Aktuell steht die japanische Währung bei knapp 92,50 Yen je Dollar und 114,50 Yen je Euro. Devisenstrategen in Tokio sind sich einig, dass bei 85 Yen pro Dollar noch unten Schluss sein dürfte. Wenn es aber tatsächlich so weit kommt, wird wohl auch die optimistische Prognose Morinagas von der baldigen Trendwende nicht mehr halten. Nach dem Platzen der Schwächeblase des Yen gebe es nun kein Halten mehr, sagt Tsutomu Fujita von Nikko Citigroup. Er hält sogar Nikkei-Notierungen um 5 000 Yen für möglich.

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