Börse
Warum Firmen Quartalszahlen vorziehen

Kuriose Welt am Aktienmarkt: Als am Montag Daimler überraschend vorzeitig seine Quartalszahlen präsentierte, schoss die Aktie nach oben. Am Mittwoch preschte auch die Deutsche Bank vorzeitig mit ihren Finanzdaten vor - doch die Aktie war mit rund vier Prozent größter Verlierer im Dax. Solch ein Kursverhalten hat Gründe.

FRANKFURT. Als am Montag überraschenderweise Daimler vorzeitig seine Zahlen für das dritte Quartal präsentierte, war die Aktie mit einem Plus von über sieben Prozent größter Gewinner im Dax. Als nun die Deutsche Bank eine Woche vor dem eigentlich vorgesehenen Termin einen Ausblick auf die wichtigsten Finanzdaten gab, war die Aktie mit rund vier Prozent größter Verlierer im Dax. Und das, obwohl die Zahlen über den Erwartungen der Analysten lagen.

"Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Zahlen, die früher als geplant veröffentlicht werden, generell stärker am Markt wahrgenommen werden", sagt Alexander Kempf, Professor am Centre for Financial Research an der Universität Köln. Die Unternehmen begründen einen solchen Schritt mit den strengen Ad-hoc-Anforderungen, die ein sofortiges Veröffentlichen nach Bekanntwerden wesentlicher Unternehmenzahlen erzwingen. Gewöhnlich spielt aber auch der Hintergedanke mit, dass die in der Regel positiven Überraschungen auch am Aktienmarkt für den entsprechenden Schub sorgen.

Dass dies bei der Deutschen Bank nicht der Fall war, lag wohl daran, dass die implizierten Erwartungen der Börsianer noch über denjenigen lagen, die sie in der Öffentlichkeit kundgetan haben. "Durch die extrem guten Vorgaben aus dem Ausland liegen die Erwartungen gerade im Bankensektor inzwischen sehr hoch", begründet Kempf die ungewöhnliche Kursbewegung bei der Deutschen Bank. Daneben halten es Analysten wie Stefan Stalmann von der Unicredit für möglich, dass die Bank wegen geplanter Zukäufe - bekanntester Name ist hier die Privatbank Sal. Oppenheim - frisches Kapital benötigt, das den Kurs belasten könnte.

Generell hat der Trend, vorzeitig Unternehmensdaten zu veröffentlichen, in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Obwohl es dazu keine offiziellen Statistiken gibt, fällt auf, dass gerade die angelaufene Quartalssaison hier einen neuen Maßstab setzt.

Hauptgrund dafür ist, dass die Vorschriften in diesem Zusammenhang vor einigen Jahren erheblich verstärkt wurden. Weiß ein kleiner Kreis von Top-Managern beispielsweise vorab wesentliche Unternehmenszahlen, gibt diese aber erst zum planmäßigen Termin bekannt, so setzt sich diese Gruppe dem Verdacht aus, über unerlaubtes Insiderwissen zu verfügen. Insofern gehen die Unternehmen in der Regel auch kein Risiko ein, sondern treten bewusst die Flucht nach vorn an.

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