Börse Wien
Eine kleine, österreichische Aktienpanik

Die Umsätze an den europäischen Börsen waren zuletzt ziemlich mau. Das gilt besonders für den Handelsplatz in Österreich. Dort ging der Umsatz um rund 70 Prozent zurück. Schuld daran sind die Österreicher selbst.
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WienDas geringe Interesse an Aktien trifft die Wiener Börse hart. Im August sind die Handelsumsätze im wichtigsten Börsensegment (Prime Market) auf gerade noch 2,2 Milliarden Euro zurückgegangen. Gegenüber dem August des Vorjahres entspricht das einem Minus von mehr als 66 Prozent. Das aktuelle Handelsvolumen der Wiener Börse erreicht damit etwa das Niveau des Jahres 2003.

"Wir sind nicht allein", kommentierte eine Börsensprecherin die schlechten Zahlen für den August. Auch andere Börsenplätze müssten mit Rückgängen zwischen 20 und 30 Prozent zurechtkommen. Es gebe allerdings einen zusätzlichen "Wien-Faktor": Investoren zögen sich in Krisenzeiten schneller von kleineren regionalen Börsenplätzen wie etwa Wien zurück. "Geht es wieder aufwärts, kommen sie aber auch schneller zurück", sagte die Sprecherin.

Für eine Rückkehr der Investoren gab es nach den jüngsten Euro-Rettungsaktionen der EZB am vergangenen Freitag bereits erste sichtbare Anzeichen, als auch die Aktienkurse am Wiener Schottenring analog zu anderen Finanzplätzen in Europa kräftig in die Höhe schossen. Noch sind sich die Finanzexperten indes nicht einig darüber, ob der Trend nachhaltig sein wird.

Die Börse Wien versteht sich nicht nur als Handelsplatz für österreichische Aktien, sondern auch als Drehscheibe für Osteuropa. Wachsende wirtschaftliche Probleme in vielen osteuropäischen Ländern sorgen dafür, dass sich Investoren nicht mehr so stark für die in der Region aktiven österreichischen Unternehmen und deren Aktien interessieren.

Ein hausgemachtes österreichisches Problem löst zusätzlich Verstimmung unter den Anlegern aus. Eine neue Kapitalertragsteuer für Wertpapiere sorgt dafür, dass Veräußerungsgewinne bei Aktien in der Alpenrepublik grundsätzlich steuerpflichtig sind.

Die neue Steuer, die die Banken seit dem Frühjahr an den Fiskus abführen müssen, sorgt unter Privatanlegern für Zurückhaltung bei Aktienkäufen. Nach einer Statistik der Österreichischen Nationalbank kommen Aktien aktuell nur noch auf einen Anteil von etwa drei Prozent am gesamten privaten Vermögen, zuvor waren es etwa fünf Prozent.

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