Börsen-Promis im Gespräch
Zypern-Rettung löst das Bankenproblem nicht

An den Aktienmärkten herrscht Gelassenheit – als habe es nie ein Zypern-Problem gegeben. Prominente Börsenprofis wie Dirk Müller, Joachim Llambi und Hans Bernecker erklären, warum. So könnte es im Euro-Raum weitergehen.
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FrankfurtSeit Tagen bestimmen Zypern und das Ringen um ein Rettungspaket die Schlagzeilen. Längst wurde auch öffentlich über einen möglichen Austritt aus dem Euro diskutiert. Die Situation schien brenzlig. Doch an den Aktienmärkten gehen die Unsicherheiten um das Mittelmeerland nahezu spurlos vorbei. Jetzt steht das Rettungspaket und der Dax setzt seinen Wachstumskurs unbeirrt fort. Ist am Ende doch alles halb so wild? Und wie geht es in der Euro-Zone weiter?

Antworten auf diese Fragen gaben am Wochenende zahlreiche prominente Börsenexperten auf der Anlegermesse in Frankfurt. In ihren Vorträgen und Podiumsdiskussionen standen die Zypern-Krise, die Zukunft des Euro-Raums und mögliche Folgen für die Anleger im Vordergrund. Die Messebesucher hingen an ihren Lippen und drängten sich zu Hunderten um die Bühne.

Mit dabei auch Dirk Müller, vielen besser bekannt als Mister Dax. „Zypern ist nicht systemrelevant“, sagte der ehemalige Börsenhändler. „Wir reden über ein Land, das vielleicht die wirtschaftliche Leistungskraft von Bremen hat, wenn überhaupt.“

So sieht es auch der Wertpapierhändler und Tanzjuror Joachim Llambi: „Zypern macht nur 0,2 Prozent des Marktes in der EU aus, das ist verschwindend gering.“ Auch einen Domino-Effekt für andere Länder fürchtet Llambi nicht. Und Hans Bernecker setzte noch einen drauf: „Mich interessiert dieses Problem überhaupt nicht“, sagte der Börsenbriefautor. Den Banken fehlen Milliarden, diese Löcher müssten geschlossen werden. „Wer die schließt, weiß ich nicht, aber sie werden geschlossen werden und dann gehen wir wieder zur Tagesordnung über“, so Bernecker.

Doch selbst, wenn es nicht zu einer solchen Rettung, sondern zu einem Austritt aus dem Euro käme, dürften die Folgen für das europäische Finanzsystem überschaubar sein: „An den Börsen würde das kurzfristige Unsicherheit hervorrufen“, meint Llambi. Doch: „Die Problematik käme erst dann, wenn Länder wie Italien und Frankreich an so einem Punkt stehen würden. Aber ich bin davon überzeugt, so weit wird es in diesen Ländern gar nicht kommen.“

Was aus ökonomischer Sicht einfach erscheint, sieht politisch betrachtet, jedoch ganz anders aus: „Wirtschaftlich ist es irrelevant, ob ein Land wie Zypern oder Griechenland in der EU oder im Euro ist“, sagte Michel Friedman. Doch man dürfe die psychologischen und politischen Aspekte nicht vergessen: Deshalb müssten auch Entscheidungen getroffen werden, die nicht rein ökonomisch begründet sind. „Einfach so aussteigen ist auch gemäß den Verträgen nicht möglich“, so der Jurist.

Kommentare zu " Börsen-Promis im Gespräch: Zypern-Rettung löst das Bankenproblem nicht"

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  • Die Politiker sind erleichtert und klopfen sich auf die Schultern. Es werden noch ein paar ernste Worte gesprochen, wegen falschem Geschäftsmodel anderer Länder. Alle sind zufrieden, und jetzt, welches Geschäftsmodel ist den jetzt das richtige für Zypern? Also, Olivenöl und Kork ist für Portugal, und das Ziegenkäse Modell haben die Griechen. Was bleibt den Zyprioten. Vielleicht eröffnet ja Opel ein neues Werk auf der Insel, für das geschlossenen Werk in Bochum. Oder was haben die EU Retter im Sinn für die Zypern Wirtschaft an zu kurbeln.
    Mit was sollen die den die Schulden zurück Zahlen??? Nimmt die EZB auch Naturalien an,zur Schulden-Tilgung.
    Eine andere Frage ist auch, ab wann ist ein Land eine Steueroase, wenn die Leute und Unternehmen weniger Steuern bezahlen weder in Deutschland. Oder bezahlen die Deutschen einfach zu viele Steuern,da sollte man Reformen einleiten, zwecks Wettbewerbsfähigkeit???

  • Natürlich kann Zypern aussteigen, wenn sie wollen ! Dafür sind Verträge da - daß sie gebrochen werden ! Das war schon immer so !
    Und umgekehrt ist es auch so, man schmeißt sie einfach raus, dafür sind die Verträge auch da, auch wenn es nicht drinn steht !
    Hält sich ein Land nicht an den Sinn der Verträge verliert es jeden Anspruch auf Einhaltung des Vertrages der partizipierenden Partner, das sagt doch schon die simpelste Logik !
    Im Regelfall wird es aber im Eigeninteresse des kranken Partners liegen sich selbst neu zu justieren und darauf kann er bestimmt mit der Unterstützung der ehemaligen Partner rechnen !

  • ..ach wirklich .. wer hätte das gedacht ....

    Das Problem liegt doch auf der Hand und die Lösung auch.

    600 Billionen Dollar an Derivaten entsprechen (fast) keinem realen Gegenwert. Und bereinigen können diese Krise ganz offensichtlichst nur ... die "Anleger" ... also der kleine Mann, der seinen Monatslohn in Aktien und Derivaten anlegt ... (Ironie off)

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