Börsenaufsicht droht mit Strafen Rüffel für die Ratingagenturen

Die Europäische Börsenaufsicht knöpft sich die Ratingagenturen vor. Bei der Vergabe von Bonitätsnoten sollen sie geschludert haben – obwohl die Ratings die Zukunft eines Landes beeinflussen. Jetzt drohen Strafen.
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Mit den Auf- und Abstufungen der Bonitätsnoten eines Landes sollen nicht nur Führungsmitglieder beauftragt gewesen sein, hat die ESMA herausgefunden. Jetzt drohen den Ratingagenturen strafen. Quelle: AFP

Mit den Auf- und Abstufungen der Bonitätsnoten eines Landes sollen nicht nur Führungsmitglieder beauftragt gewesen sein, hat die ESMA herausgefunden. Jetzt drohen den Ratingagenturen strafen.

(Foto: AFP)

LondonNach einem Rüffel der Europäischen Börsenaufsicht ESMA droht den Ratingagenturen eine Strafe wegen Mängeln bei der Veröffentlichung der Bonitätsnoten für Staaten. „Sie sollten ihr Verfahren beschleunigen und sicherstellen, dass sie ihr Haus in Ordnung bringen“, mahnte ESMA-Chef Steven Maijoor am Montag. Konkret wirft er den Platzhirschen Moody's, S&P und Fitch vor, Rating-Änderungen schleppend zu veröffentlichen und zugleich mit laschen internen Kontrollen Informationslecks zu begünstigen.

Die EU hat in den vergangenen drei Jahren in mehreren Gesetzesinitiativen eine engere Überwachung der mächtigen Ratingagenturen auf den Weg gebracht. Diese beeinflussen mit der Bewertung der Kreditwürdigkeit von Staaten die Kosten, die Länder für frisches Geld am Kapitalmarkt zahlen müssen. Gerüchte und Schwankungen an den Märkten in der Zeit vor der Veröffentlichung von Ratings hatten die Aufsicht auf den Plan gerufen. Die Behörde fand nun heraus, dass die Agenturen teils mehr als fünf Tage verstreichen ließen, bevor sie eine Rating-Entscheidung kommunizierten. In einem Fall dauerte es zwei Wochen. Dabei gilt für die Agenturen die Regel, die Entscheidung „zeitnah“ zu veröffentlichen und zuvor eine Karenzzeit von mindestens 24 Stunden einzuhalten, um den betroffenen Staaten intern die Möglichkeit zum Hinweis auf Fehler zu geben.

Wie die ESMA herausfand, nehmen es die Agenturen auch beim Personal nicht immer so genau: In Einzelfällen wurden rangniedrige oder neue Mitarbeiter mit Führungsaufgaben im Rating-Prozess betraut. All diese Mängel könnten die „Qualität, Unabhängigkeit und Integrität“ der gesamten Bonitätsbewertung von Staaten beeinträchtigen, rügte der ESMA-Chef. Die Ratings selbst hinterfragte die Behörde indes nicht. Die Agenturen müssen nun Pläne vorlegen, um die Mängel abzustellen. Obwohl die ESMA in dem dritten Aufsichtsbericht nicht darüber entschieden hat, ob Regeln verletzt wurden, wird ein Vorgehen wegen früherer Versäumnisse der Agenturen nicht ausgeschlossen. Nach den ab Januar 2014 geltenden Regularien dürfen die Agenturen Änderungen bei Ratings nur nach einem festen Veröffentlichungskalender kommunizieren.

  • rtr
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5 Kommentare zu "Börsenaufsicht droht mit Strafen: Rüffel für die Ratingagenturen"

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  • die amerikanischen Ratingagenturen sind Ableger der amerikanischen Großbanken, die amerikanischen Großbanken bilden gemeinsam die Fed !! Und die versauen mit Ihrem genauso unseriösen wie wertlosen Dollar den Weltmarkt, die Weltwirtschaft!!! Zeigt den Amis endlich ihre Grenzen !!

  • Ratingagenturen sind genau so seriös und solide arbeitend wie die meisten Analysten der Banken. Über beide kann man i.w. getrost ein Ei schlagen - die Eigeninteressen überwiegen bei weitem die Kundeninteressen. Bei Ratingagenturen kommt noch die typisch amerikanische Oberflächlichkeit hinzu - das machts sicher nicht besser.

  • So, endlich schlägt Deutschland mit der EU zurück.

    Wir ja auch Zeit, dass wir uns im wir uns im Wirtschaftskrieg gegen die kriegstreibenden USA entlich mal erwehren.

  • Pequod ich stimme ihnen voll zu. Beachtenswert ist auch, dass die Ratingagenturen Ableger der amerikanischen Großbanken sind. Man ist sich dort selbst am Nächsten. Motto: wir lassen die Allgemeinheit bezahlen, damit wir wieder satte Milliardengewinne machen.

  • So ist bei diesem Ratingspiel bisher noch kein einziges
    Land auf 'd' - wie 'default' von den Ratingagenturen
    gesetzt worden, obwohl sich z.b. Griechenland seit 2010
    im Insolvenzstadium befindet und wie andere Pleitelän-
    der von der EZB mit dem ELA System der Notenpresse über
    Wasser gehalten werden. So werden mit diesem Rating-
    spiel künstlich Haussen und Baissen für den Spekula-
    tionsbereich der Banken erzeugt, vermeidet aber tun-
    lichst die finale Einstufung des 'default' um nicht
    den CDS Markt zusammenbrechen zu lassen, womit die
    fünf amerikanischen Großbanken und ebenfalls die Ra-
    tingagenturen vor dem Ruin stehen würden.

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