Börsenchef senkt IT-Kosten
Börse Stuttgart eröffnet Preiskampf mit Frankfurt

Die zweitgrößte deutsche Börse in Stuttgart will ab 2007 dem Branchenprimus in Frankfurt auch mit niedrigeren Handelsgebühren das Leben schwer machen. „Um unsere Existenz dauerhaft zu sichern, müssen wir beim Preis und bei der Qualität immer besser werden“, sagte der seit 1. März amtierende Börsenchef Christoph Mura dem Handelsblatt.

FRANKFURT. Dazu setzt der IT-Spezialist auf eine stärkere Zusammenarbeit mit der Konzernschwester Euwax, dem maßgeblichen Börsenmakler in Stuttgart. So sollen die IT-Abteilungen beider Firmen zusammen in ein Gemeinschaftsunternehmen ausgegliedert werden. Allein dadurch ließen sich die Kosten um einen mittleren zweistelligen Prozentsatz senken, sagte Mura. Dies solle an die Kunden weitergegeben werden. Die Deutsche Börse sagte auf Anfrage, sie fühle sich gut für den Wettbewerb gerüstet.

Mit dieser Umstrukturierung in Stuttgart scheint eine lange diskutierte Fusion der sieben deutschen Regionalbörsen zunächst vom Tisch zu sein. „Wir sind stets offen für Ideen, die der Markteffizienz dienen, sehen hier aber auf Grund unserer starken Marktposition keinen akuten Handlungsbedarf“, sagte Thomas Muns, Vorstand der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V., der sowohl die Börse Stuttgart als auch die Euwax gehören.

Die Börse Stuttgart liegt mit einem Anteil von rund sieben Prozent am gesamten Wertpapierhandel auf Platz 2 in Deutschland hinter der Deutschen Börse in Frankfurt. Ihre Stärke sind der Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen. In diesem Wachstumsfeld steigt ihr Marktanteil und erreichte Ende Juni 72 Prozent. Neben den Frankfurtern, die gemeinsam mit Zürich 2009 eine vollelektronische Zertifikatebörse aufbauen wollen, sind es aber außerbörsliche Handelssysteme, die die kleinen Börsen wie Stuttgart vor allem mit niedrigeren Gebühren bedrängen. „Der Plan, die Gebühren zu senken, zeigt, dass man in Stuttgart die Zeichen der Zeit erkannt hat“, sagte Dirk Schiereck, Finanzmarktexperte an der European Business School. Gebührensenkungen sind aber nur ein Teil von Muras Strategie. Er will zusätzlich die Reihen am Finanzplatz Stuttgart schließen. So soll die Euwax zum einzigen Skontroführer (Börsenmakler) bei den Derivaten werden. Durch die enge Verzahnung der Funktionen am Finanzplatz Stuttgart werde die gesamte Organisation schlagkräftiger, argumentiert er.

Beobachter sehen das kritisch, da so die Preisfeststellung und Handelsüberwachung in einem Konzern angesiedelt sind. „Das ist aus Sicht der Corporate Governance schon eine schwierige Konstruktion“, urteilt Schiereck. Auch aus Wettbewerbssicht ist die Beschränkung auf den Skontroführer Euwax ein Problem. So droht der bislang als Konkurrent der Euwax tätige Makler Baader mit rechtlichen Schritten, sollte er außen vor bleiben. Mura deutete in diesem Streit aber bereits eine Kompromisslinie an. „Wir arbeiten mit Baader im Handel mit Auslandsaktien seit Jahren erfolgreich zusammen und haben großes Interesse, diesen Sektor zusammen weiterzuentwickeln“, sagte Mura.

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