Börsenfusion
Bats schluckt Chi-X

Die Fusionitis der Weltbörsen geht weiter. Jetzt gehen zwei alternative Handelsplattformen zusammen. Beide könnten langfristig zu einem Konkurrenten der Mega-Handelsplätze Deutsche Börse und NYSE werden.
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Die alternative Handelsplattform Bats übernimmt Konkurrentin Chi-X Europe. Wie beide Seiten mitteilten, habe man sich nach wochenlangen Verhandlungen geeinigt. Über die Höhe des Kaufpreis wurde nichts bekannt. In Kreisen heißt es, Bats lege rund 350 Mio Dollar auf den Tisch. Spätestens Ende des zweiten Quartals soll der Deal abgeschlossen sein. Seit 22. Dezember hatten Bats und Chi-X verhandelt.

Die Transaktion mache die Plattform zu einem noch stärkeren Wettbewerber, sagte Joe Rattermann, Chef von Bats. Die beiden alternativen Börsen haben etablierten Handelsbetreibern wie der London Stock Exchange (LSE) oder der Deutschen Boerse in den vergangenen Jahren massiv Marktanteile im Aktienhandel abgenommen.

Gemessen an der milliardenschweren Fusion der beiden Großbörsen Deutsche Börse und NYSE Euronext erscheint die Vereinigung winzig. Doch die erst wenige Jahre alten alternativen Handelsplätze sind die Senkrechtstarter der Finanzwelt und gelten als Gefahr für die etablierten Anbieter. Sie unterliegen weniger scharfen Vorschriften und können deshalb Transaktionen zu geringeren Gebühren abwickeln. Vor allem im Aktienhandel haben sie den Börsenbetreibern viele Kunden abspenstig gemacht und die Preise gedrückt. Nach Angaben des US-Wirtschaftssenders „Fox Business“ stehen zudem die Technologiebörse Nasdaq OMX und der Rohstoffhandelsspezialist IntercontinentalExchange (ICE) in Verhandlungen über einen Zusammenschluss. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten und geraten durch die Fusionswelle immer mehr unter Druck. Die Londoner Börse bandelt gerade mit Toronto an, Singapur schluckt Sydney.

Ab dem Jahr 2016 ist die Machtverteilung bei der neuen Megabörse wieder offen. Dann endet die im Fusionsvertrag mit der NYSE Euronext festgeschriebene Übermacht von Vertretern der Deutschen Börse im Verwaltungsrat. Das geht aus einem Dokument an die US-Börsenaufsicht SEC hervor. Danach wird der Verwaltungsrat von 17 auf 12 Personen verkleinert und die zugunsten der Deutschen Börse eingeräumte Proporzregel aufgehoben, die den Frankfurtern momentan 10 Sitze und damit das letzte Wort im Konzern sichert.

Zwar hatten beide Seiten bei der Bekanntgabe der Fusion betont, dass es sich um einen Zusammenschluss auf Augenhöhe handele. Doch beiderseits des Atlantiks geht die Angst um, am Ende der Verlierer zu sein. Hierzulande wird die Sorge dadurch geschürt, dass der bisherige NYSE-Chef Duncan Niederauer auch dem Gesamtkonzern vorstehen wird. Reto Francioni von der Deutschen Börse wird Chef des Verwaltungsrats. Nach den Angaben im SEC-Dokument laufen ihre Verträge bis zum Aktionärstreffen 2016, die einfachen Gremiumsmitglieder können schon 2015 neu bestimmt werden.

Die Deutsche Börse hat Spekulationen zurückgewiesen, die Fusion mit der NYSE Euronext werde massiv Jobs in Deutschland gefährden. Äußerungen, wonach die Fusion „Tausende von Arbeitsplätzen in Frankfurt kosten könnte, sind rein spekulativ und völlig überzogen“, sagte ein Sprecher am Freitag der dpa in Frankfurt. Das Dax-Unternehmen hat bisher keinerlei Angaben zu möglichen Folgen des Zusammenschlusses für die Arbeitsplätze gemacht.  Gleichzeitig machte der Sprecher deutlich, dass der mit dem vollelektronischen Handelssystem Xetra laufende Kassamarkt weiter in Frankfurt betrieben werde. Offen sei lediglich, mit welchem System. Xetra beschäftigt nach den Angaben derzeit rund 130 Mitarbeiter. Diese würden aber auch künftig gebraucht, um den Kassamarkt zu betreiben, sagte der Sprecher.

Die Managementverantwortung für den Aktienhandel wird in New York liegen, sobald die Fusion der Marktbetreiber vollzogen ist.  Die Deutsche Börse und die NYSE Euronext wollen ihren Zusammenschluss bis zum Jahresende in trockenen Tüchern haben. Allerdings gibt es Widerstände bei Politik und Aufsichtsbehörden. Aktionäre der NYSE haben erste Klagen eingereicht. Sie fühlen sich benachteiligt. Die Aktionäre der Deutschen Börse sollen 60 Prozent an einer neuen, gemeinsamen Dachgesellschaft halten, die Aktionäre der NYSE Euronext die restlichen 40 Prozent.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

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