Börsengänge
Wie Banker und Juristen Anleger überzeugen

Die Euro-Krise und die Schwankungen an den Aktienmärkten schrecken Investoren ab und erschweren Neulingen den Börsenstart. Deshalb müssen Banker und Juristen neue Rezepte für den Weg an die Börse ausprobieren.
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FrankfurtBörsengänge folgen meist einem einfachen Rezept: Man nehme eine Story, mit der man Aktionären das Unternehmen schmackhaft machen kann, gebe nach und nach Preisspanne und Research-Berichte hinzu und lasse das Ganze vier Wochen lang vor sich hin köcheln. Doch einen fertigen Börsenneuling haben Investmentbanker in Deutschland schon seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr zustande gebracht.

Der Grund: Die Euro-Schuldenkrise und die Furcht vor einer Rezession schüren immer wieder Störfeuer, die Schwankungen an den Börsen schrecken Investoren ab. Deshalb müssen Banker und Juristen neue Rezepte für den Weg an die Börse ausprobieren.

Eine Börse, die einen Monat halbwegs stabil oder berechenbar ist, dürfte auf absehbare Zeit Illusion bleiben. Das Frühjahr haben die IPO-Banker längst abgeschrieben. Zu tief steckt die Krise den Investoren noch in den Knochen. „Im zweiten Quartal könnten einige IPOs (Initial Public Offerings) den Markt testen“, wagt JPMorgan-Banker Stefan Weiner eine vorsichtige Prognose. Bis zu zehn Börsengänge mit einem Emissionsvolumen von mehr als hundert Millionen Euro seien in Deutschland 2012 möglich. Sein Goldman-Sachs-Kollege Christoph Stanger ist etwas forscher: „Ich glaube, dass sich der Markt in diesem Jahr wieder öffnen wird - und zwar noch vor dem Sommer.“

Doch Glauben und Hoffen allein nutzt nichts. Daher hat ein Umdenken bei den Unternehmen begonnen. Die Taktik muss sich ändern, um den gordischen Knoten zu durchschlagen. „Niemand kann auf den perfekten Markt warten“, sagt Rechtsanwalt Roland Maass, der für die Kanzlei Latham & Watkins Börsengänge begleitet. Er hat beobachtet: „Allmählich sind mehr Emittenten bereit, auch zusätzliche Unsicherheiten in Kauf zu nehmen.“ Doch das neue Denken ist mühsam: „Viele Banker sind wandlungsresistent“, sagt einer, der das Geschäft mit Börsengängen lang betrieben hat.

Zeit ist Geld

Die vier Wochen, die es vom offiziellen Startschuss bis zur Erstnotiz in Deutschland dauert, seien zu lang, hat JPMorgan-Banker Weiner festgestellt. In den USA sind es nur zwei Wochen. „Es wird innovative Methoden geben, um die Vermarktungsphase zu reduzieren“, sagte Weiner am Montag. Eine Woche oder sogar zehn Tage ließen sich einsparen, wenn man bei den Investoren schon vor dem Start vorfühlt. „Das ist rechtlich möglich“, sagt Weiner. Der Rohstoffhändler Glencore etwa hatte ein Drittel seiner Aktien schon vorab verkauft. Freilich mache man sich dann von diesen Investoren abhängig, was die Bewertung angeht, mahnt der JPMorgan-Experte.

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Gute Chancen in den USA

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