Börsenindex Nikkei 225
Wundersame Kurssprünge in Japan

Japans führender Börsenindex Nikkei 225 mutet manchmal etwas altmodisch an. Heute wie zu seiner Gründung 1950 berechnet ihn eine Zeitung: das Wirtschaftsblatt "Nihon Keizai". Das Verfahren zum Austausch der Werte steht seit Jahren in der Kritik, ereignete sich doch in der Vergangenheit so manche wundersame Preisverschiebung.

TOKIO. Der Nikkei ist ein echter Durchschnittspreis in Yen, obwohl einige deutsche Medien seinen Wert in Anlehnung an den Dax in Punkten angeben. Über seine Zusammensetzung entscheidet ein Gremium im Nikkei-Verlag.

Offizieller Termin für die Revision ist Ende September. Dann sollen Werte mit geringem Handlesvolumen den Index verlassen, um durch solche mit hohem Handelsvolumen aus dem Premiumsegment der Tokioter Börse ersetzt zu werden. Da die meisten Änderungen jedoch auf Fusionen und Übernahmen zurückgehen, verschiebt sich die Zusammensetzung jedes Jahr auch im April, wenn das japanische Geschäftsjahr geendet hat.

Das Verfahren zum Austausch der Werte steht seit Jahren in der Kritik. In der Vergangenheit ereignete sich so manche wundersame Preisverschiebung. Im Jahr 2000 etwa sollten 30 Werte auf einmal den Index verlassen und durch neue Unternehmen ersetzt werden. Der Nikkei-Verlag gab die Namen der Werte jedoch schon eine Woche vor der Umsetzung bekannt. Alle Welt verkaufte deshalb die Verliereraktien und deckte sich mit den Indexneulingen ein; Indexfonds sind im Anschluss an die Änderung zum Umschichten gezwungen. Der Effekt war, dass der Wert des Nikkei am Stichtag um 15 Prozent nach oben sprang. Da der Nikkei nicht nach Branchen sortiert ist, sondern sich am Handelsvolumen orientiert, ist er anfällig für die Moden in der Investmentwelt. Ende der 90er-Jahre war er zum High-Tech-Index mutiert, während des Autobooms bis 2007 kamen viele Zulieferer dazu.

Profis arbeiten lieber mit dem fortschrittlicheren Topix-Index, den die Betreibergesellschaft der Börse Tokio seit 1968 zur Verfügung stellt. Die Abkürzung steht für Tokyo Stock Price Index. Er deckt das gesamte Premiumsegment ab. Zudem gibt er nicht direkt einen Durchschnittspreis an, sondern bildet die prozentuale Veränderung im Vergleich zum Gründungsstichtag ab, an dem er mit dem Wert 100 startete. Wer in Japan Analysten nach einem Ausblick auf die Börsenkurse fragt, bekommt meist eine auf den Topix bezogene Antwort. Die Experten rechnen den Wert für Nikkei-Prognosen manchmal einfach grob im Verhältnis eins zu zehn um.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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