Börsenjahr
Herber Rückschlag im Frühsommer

Zur Jahresmitte sah es noch gar nicht so rosig aus.

Und ist das Jahr noch so schön, Börsen können nicht immer steigen. In nur 35 Tagen verliert der Dax von Anfang Mai bis Mitte Juni fast 14 Prozent. Kleinere Aktien erwischt es noch schlimmer: MDax und TecDax fallen um rund 20 Prozent. "Hedgefonds haben draufgehauen", stöhnt ein Fondsprofi Mitte Mai bei einer Investorentagung im Frankfurter Städel-Museum. Der Mann weiß nicht mehr, wie ihm geschah: Stocksolide europäische Aktien, mit ordentlichem Geschäft und niedrig bewertet, schmieren binnen weniger Tage ab wie asiatische Internetwerte.

Effizienz kann auch ein Nachteil sein: Weil Investoren in Frankfurt schneller an ihr Geld kommen als in London oder New York, rappelt es bei deutschen Aktien meist am heftigsten. Weltweit operierende Anleger holen sich hier Kapital zum Stopfen von anderswo aufgerissenen Löchern. Mit den Aussichten deutscher Aktien, so viel ist in der Rückschau klar, hat der Mai-Crash wenig zu tun. Verantwortlich sind die sogenannten Carry-Trader, also Hedgefonds und Investmentbanken, die sich in Japan günstig Geld leihen und es zu höheren Zinsen anderswo anlegen. Diese Investoren werden nervös, sobald sie Anzeichen für steigende Zinsen sehen. Am Ende der Kette fallen dann auch Aktien wie der erzkonservative Autozulieferer Leoni an zwei Tagen mal eben um ein Viertel, obwohl es dem Unternehmen nun wirklich egal sein kann, wenn zwischen Tokio und New York die Hedgefonds aufeinanderschlagen.

Und doch: Durchschnittlich ein halbes bis ein Prozent Verlust an jedem Börsentag, und das fünf Wochen lang - da verlieren viele die Nerven und verkaufen. Im Juni gibt es erstmals seit 1999 wieder unter zehn Millionen Aktionäre und Aktienfondsbesitzer in Deutschland, fast eine Million weniger als noch ein Jahr zuvor. Die abgedroschene Börsenregel, Anleger sollten im Mai verkaufen und dann der Börse fernbleiben, gilt 2006 nur halb. Im Juni dreht der Dax und macht bis Jahresende fast 25 Prozent gut. Dass die Wende am zweiten Börsentag nach dem WM-Eröffnungsspiel einsetzt, ist ein weiteres Kapitel des deutschen Sommermärchens.

Wer jetzt an der Seitenlinie steht, leidet Höllenqualen. Kennen Sie dieses miese Gefühl? Aktie verkauft, Sie wenden sich neuen Ufern zu. Dann fängt das Teufelchen im Kopf an zu hämmern: "Hätte ich nicht doch, wäre es nicht besser gewesen..." Es folgen die ersten scheuen Blicke auf den Kurs. Der steigt. Und steigt. Früher oder später kaufen Sie zurück. "Bloß nicht aus gekränkter Eitelkeit auf die Aktie und weitere Gewinne verzichten." Und welch Wonne, wenn die Aktie dann tatsächlich weiter steigt. Wer sich an der Börse nicht schnell umentscheiden kann, geht unter.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Commerzbank-Lenker Klaus-Peter Müller kennen das. Vor Jahren verkauften sie ihre letzten Pakete an der Deutschen Börse AG zu 34,50 Euro und 46,50 Euro je Aktie. Doch der Kurs stieg weiter, außerdem bestimmten auf einmal Hedgefonds und französische Banken über den Finanzplatz Frankfurt. 2006 kauften die Banken zurück, für rund 100 Euro. Was wie ein schlechtes Geschäft aussah, lohnte sich letztlich doch. Heute steht die Börsenaktie bei 135 Euro.

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