Börsenlandschaft Europa: Die Braut, die sich nicht traut

Börsenlandschaft Europa
Die Braut, die sich nicht traut

Es tut sich etwas in der europäischen Börsenlandschaft. Alle warten auf die große Konsolidierungswelle. Doch das heißt nochlange nicht, dass überall ausreichend Bereitschaft vorhanden ist. Vor allem die Londoner LSE ist stolz auf ihre große Tradition - und fürchtet die Fortsetzung der Übernahmeschlacht.

HB LONDON. So langsam gewöhnt sich Clara Furse an unruhige Winterurlaube. Schon zum zweiten Mal hintereinander musste die Chefin der Londoner Börse (LSE), die gern die Zeit um die Jahreswende mit ihrer Familie verbringt, wichtige Dinge mit ihren Beratern besprechen. Wieder einmal muss Frau Furse um die Unabhängigkeit ihrer Börse kämpfen. Warb beim ersten Mal noch die Deutsche Börse um den größten Kassamarkt in Europa, so steht diesmal eine australische Bank, Macquarie, in den Startlöchern.

Wenn Experten ihre Prognosen für das Jahr 2006 abgeben, fallen meist drei Aussagen. Erstens: Die Börsenplätze in Europa werden sich aufeinander zubewegen. „Es wird sich wie bei Fluglinien und Telekomfirmen entwickeln“, sagt John Serocold, Direktor des Verbandes Londoner Investmentbanken. Soll heißen: Die jetzigen mehr als 30 Börsenplätze in Europa lassen sich noch eine Zeit lang beibehalten. Ökonomische Vernunft gebietet jedoch eher früher als später eine Fusion der Plätze. Das erleichtert und verbilligt den Handel, zumindest für den Betreiber. Und wenn am Ende nicht nur ein Monopolist übrig bleibt, sollte es auch dem Kunden etwas bringen.

Zweitens: Die Konsolidierung erfolgt „um mehrere Zentren herum“, wie es Serocold nennt. Das wichtigste und größte gruppiert sich um die LSE. Weil die Börse kein nennenswertes Derivategeschäft besitzt, bleibt ihr nur die Rolle des Opfers. Die beiden anderen Epizentren könnten im Norden Europas sowie im mediterranen Raum entstehen.

Dritter Punkt: Das alles spielt sich in einem langwierigen und schmerzhaften Prozess ab. Und dass dieser schon zum Ende des Jahres Ergebnisse abwirft, erscheint kaum wahrscheinlich. Denn dass es Interessenten an einer Konsolidierung gibt, heißt noch lange nicht, dass die Bereitschaft vorhanden ist.

So umtänzeln sich die potenziellen Partner nach wie vor. Gegen Ende 2005 tauchten neue Gerüchte auf, dass die Vierländerbörse Euronext und die Deutsche Börse über eine wie auch immer geartete Kooperation verhandeln. Doch das wird in der City eher als Konzession an rebellische Aktionäre gesehen. Euronext und Deutsche Börse stehen unter dem Druck der Hedge-Fonds wie TCI, die eine zu teure Übernahme der Londoner Börse ablehnen. Und auch so gebe es genug andere Hindernisse: „Euronext-Chef Jean Francois Theodore wäre bei einer Fusion mit der Deutschen Börse der Juniorpartner, schon deshalb wird es dazu nicht kommen“, glaubt ein Beobachter in der Londoner City.

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