Börsennotierung
Marseille-Kliniken möchten in den Freiverkehr

Der börsennotierte Klinikbetreiber möchte Geld sparen und deswegen nur noch im niedrigeren Segment Entry Standard gelistet werden. Aktionärsschützer erwarten eine Abwertung der Papiere.
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Der Pflegeheimbetreiber Marseille-Kliniken will künftig nicht mehr im Regulierten Markt an der Frankfurter Börse gehandelt werden sondern in das niedrigere Börsensegment Entry Standard des Freiverkehrs wechseln. Davon verspricht sich das Unternehmen Kosteneinsparungen. Über den Wechsel soll eine außerordentliche Hauptversammlung am 19. Oktober entscheiden.

Aktionärsschützer sehen den Plan kritisch: Sie rechnen damit, dass die Aktionäre von Marseille-Kliniken künftig weniger Informationen über das Unternehmen erhalten. „Das dürfte sich auch in der Bewertung der Aktie negativ bemerkbar machen dürfte“, sagt Markus Neumann, Mitglied des Vorstands der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK).

Mit dem Wechsel in den Entry Standard verliert der Aktionär Transparenz. Im Entry Standard entfällt die Verpflichtung zu Zwischenmitteilungen im Quartal, neben dem Jahresabschluss muss das Unternehmen noch Halbjahresberichte vorlegen. Zudem sind Unternehmen im Entry Standard nicht mehr verpflichtet, nach den anspruchsvollen Internationalen Rechnungslegungsvorschriften zu berichten sondern können zu den nationalen des HGB wechseln.

SdK-Mann Neumann sieht den geplanten Wechsel in den Entry-Standard vor allem deshalb kritisch, weil das Marseille-Kliniken vor eineinhalb Jahren noch rund sechs Millionen Euro bei einer Kapitalerhöhung eingesammelt hatte. „Wenn kurz zuvor Kapitalerhöhungen unter dem alten Regulierungsregime durchgeführt wurden, bei der, wie bei Marseille, die Anleger unter Vertrauen auf bekannte Informationsstandards und damit Handelbarkeit Kapital bereitgestellt haben, dann ist ein solcher Vorgang richtig kritisch“, sagt Neumann. Er geht davon aus, dass bedingt durch die Informationsverluste die Aktien von Marseille Kliniken schlechter handelbar sein werden und somit an Wert verlieren.

Die Marseille-Kliniken und ihr Gründer und Mehrheitsaktionär Ulrich Marseille haben in der Vergangenheit schon für viele Schlagzeilen gesorgt, auch weil sie nicht immer den Regeln einer guten Unternehmensführung entsprochen haben. So vergab das Unternehmen unter anderem Kredite an Ulrich Marseille und bezahlte Firmen von Mitgliedern des Aufsichtsrats für Beratungsleistungen. Corporate-Governance-Experten sahen die Unabhängigkeit manches Aufsichtsratsmitglieds nicht mehr gewährleistet.

Marseille-Kliniken selbst geht nicht davon aus, das die Aktien mit dem Wechsel in das niedrigere Börsensegment an Wert verlieren. Wie viel das Unternehmen durch diesen Schritt voraussichtlich an an Kosten einsparen kann, will die Firma erst auf der Hauptversammlung verraten.

Kommentare zu " Börsennotierung: Marseille-Kliniken möchten in den Freiverkehr"

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  • Wenn das Management Kosteneinsparungen erzielen will, dann könnten die gleich auch mal darüber nachdenken, den Sitz des Unternehmens wieder zurück nach Hamburg zu verlegen. Das meiste passiert doch ohnehin in der Hauptverwaltung in der Sportallee, wie z. B. die HV im Januar und jetzt am 19. Oktober.

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