Börsenratsmitglieder plädieren für eine Senkung der Handelsgebühren in Frankfurt
Kritik an Ausschüttungsplänen der Börse

Nach dem gescheiterten Versuch, die Londoner Börse (LSE) zu übernehmen, entzündet sich eine Debatte über die mehr als 600 Mill. Euro hohe Barreserve der Deutschen Börse. Während diverse Großaktionäre auf eine massive Ausschüttung dringen, plädieren Frankfurter Finanzkreise für eine Senkung der Handelsgebühren.

HB FRANKFURT/M. „Die Börse sollte die Gelder nicht ausschütten, sondern über eine Senkung der Transaktionsgebühren ihre Wettbewerbsposition in Europa stärken“, sagte Wolfgang Gerke, Börsenprofessor und Mitglied des Frankfurter Börsenrates, dem Handelsblatt.

Mit dieser Meinung steht Gerke nicht allein. Axel Weber, bis gestern Chef der Dekabank und ebenfalls Börsenratsmitglied, hatte sich letzte Woche ebenfalls gegen eine Ausschüttung ausgesprochen und für eine Gebührensenkung stark gemacht. Zuvor war in Frankfurter Finanzkreisen bereits ein gewisser Unmut darüber zu spüren, dass die Börse im Zuge der LSE-Übernahme die Gebühren nur in London und nicht in Frankfurt hatte senken wollen. Gerke argumentiert freilich nicht aus Sicht des Kunden. Seiner Meinung nach sollte die Börse aus eigenem Interesse die Gebühren senken. Auf diese Weise könne sie ihr Geschäft ankurbeln und Kunden von anderen europäischen Börsen abwerben. Davon würde letztlich auch der Finanzplatz Frankfurt profitieren.

Die Deutsche Börse wollte sich gestern zu der Frage, ob sie Gebührensenkungen erwäge, nicht äußern. Ein Sprecher sagte lediglich, Frankfurt sei bereits die billigste Börse Europas. Sollte der Druck auf eine Gebührensenkung allerdings zunehmen, könnte die Börse in eine heikle Lage geraten. Denn Vorstandschef Werner Seifert will Geld in signifikantem Umfang an die Aktionäre ausschütten. Dies war die zentrale Forderung der Hedge-Fonds TCI und Atticus, die die Front der Übernahme-Gegner lautstark angeführt hatten. Sie drohen damit, andernfalls den Aufsichtsrat und das Management bei der Hauptversammlung am 25. Mai abzuwählen. Unter diesem Druck hat die Börse bereits erste Gespräche mit den Aktionären geführt, weitere sollen folgen. Anschließend will das Management ein Konzept für die Ausschüttung präsentieren. Nach Informationen aus Kreisen des Aufsichtsrates, der sich am Mittwoch ebenfalls mit dem Thema befasste, wird vor allem ein Aktienrückkauf von zehn Prozent des Grundkapitals geprüft. Dafür müsste die Börse nach gegenwärtigen Kurs über 600 Mill. Euro aufwenden, was in etwa der Barreserve entspricht.

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