Börsenumsätze haben sich seit Anfang Juni verdoppelt – Institutionelle Investoren zeigen zunehmend Interesse
Anleger entdecken den Freiverkehr

Anleger wittern große Gewinnchancen im Freiverkehr der Deutschen Börse. Dies liegt an der großen Zahl neuer Börsennotierungen in diesem Segment und deren teils immense Kurszuwächse (siehe „Pro und Kontra“). Allein seit Anfang Juni haben sich die Börsenumsätze im Frankfurter Freiverkehr beinahe verdoppelt. Lag der tägliche Handelsumsatz seit einem Jahr im Schnitt bei 6,7 Mill. Euro, so sind es nun 11,9 Mill. Euro. Das ist das Ergebnis einer Studie des Münchener Analysehauses CDC Capital, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

HB FRANKFURT/M.Händler begründen das neue Interesse damit, dass die meisten Börsenneulinge eine stimmige Wachstumsstory eines jungen, aufstrebenden Unternehmens bieten und zudem nicht nur – wie im Freiverkehr üblich – bei Freimaklern, sondern auch auf dem Computer-Handelssystem Xetra gehandelt werden. Unternehmen wie Deutsche Wohnen, Phoenix Sonnenstrom, VEM Aktienbank oder SAG Solarstrom haben inzwischen höhere Börsenumsätze als viele Werte aus dem stärker reglementierten Segmenten geregelter Markt und amtlicher Handel.

Bisher haben gerade institutionelle Investoren um den Freiverkehr einen großen Bogen gemacht. Die Gründe liegen auf der Hand: Da das Segment vom Gesetzgeber nicht reguliert ist, sondern private Freimakler die Kurse stellen, war es den meisten Fondsmanager anhand ihrer eigenen Regularien verboten, in diese Werte zu investieren. Wegen der hohen Kurschancen lockern manche institutionelle Investoren ihre Regeln nun, ohne dass dies an die Öffentlichkeit dringt. Jüngstes Beispiel dafür war der Börsengang von Ifa Systems im Juni, einem Spezialsoftwarehaus für Augenärzte. „Wir spüren im Gegensatz zu früher gerade von den Großanlegern enormes Interesse an der Emission“, sagte Thomas Stewens vom begleitenden Emissionshaus Concord Effekten bereits während der Zeichnungsphase. Und das, obwohl nur 160 000 Aktien zum Verkauf standen.

Deutlich schwieriger wird es für den Anleger, wenn er sich der breiten Masse der rund 5 800 Aktien zuwendet, die neben den zwei Dutzend neuen Werten im Freiverkehr gehandelt werden. Damit ist das Segment zwar das mit Abstand größte an der Deutschen Börse, den genauen Überblick hatte jedoch bisher kaum jemand. Fakt ist: Nur 180 der insgesamt 5 814 Aktien kommen aus Deutschland, 30 davon sind insolvent oder befinden sich in Abwicklung. Zu diesen Werten gibt es überwiegend keine Einschätzungen von Analysten – eine Ausnahme bilden lediglich die Börsenneulinge.

Leichter an Informationen kommen Anleger, wenn eine Aktie zusätzlich zum Freiverkehr in einem höher angesiedelten Segment an einer anderen Börsen gelistet ist. Werte wie Net Mobile oder Sun Energy Reinecke & Pohl sind beispielsweise im Münchener Segment „M Access“ oder am geregelten Markt in Düsseldorf gelistet. Das Unternehmen unterwirft sich dort höheren Transparenzanforderungen, die dem Anleger wiederum ein Grundmaß an Sicherheit bieten.

Auffällig ist indes unter den spärlich vertretenen deutschen Aktien, dass hier durchaus bekannte Namen wie der Fertiggerichtehersteller Frosta, die C. Bechstein Pianofortefabrik, der Strumpf-Produzent Kunert oder die Köln-Düsseldorfer Rheinschiffahrt zu finden sind.

Seite 1:

Anleger entdecken den Freiverkehr

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%