Börsenweisheit
Das gefährliche Unwissen

Es gibt verschiedenste Arten, sein Erspartes zu gefährden. „Risiko entsteht dann, wenn Anleger nicht wissen, was sie tun“, sagt Warren Buffett. Doch nicht nur gewagte Wetten und pure Gier sind gefährlich.
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Düsseldorf„Denn sie wissen nicht was sie tun“ lautet ein bekannter Spielfilm aus den 1960er-Jahren, in dem Halbstarke – unter ihnen Schauspiellegende James Dean – mit gefährlichen und verbotenen Autorennen ihr Leben aufs Spiel setzen. Um Leben und Tod geht es an der Börse zwar nicht, aber auch viele Investoren sind sich der Gefahren, denen sie ihr Geld aussetzen, nicht bewusst. Und das macht die Geldanlage zu einer äußerst riskanten Sache. „Risiko entsteht dann, wenn Anleger nicht wissen, was sie tun“, sagt der legendäre Investor Warren Buffett. Recht hat er - zumal es ganz unterschiedliche Arten von gefährlicher Unwissenheit gibt.

Da wären zum Ersten die Emotionen. Von Gier oder Angst geleitet stolpern Anleger von Falle zu Falle. Sie verkaufen zu spät, nämlich wenn die Kurse abgestürzt sind, und kaufen zu spät, wenn die Kurse bereits weit, sehr weit gelaufen sind. Regiert das Gefühl über den Verstand, dann treffen viele Investoren Fehlentscheidungen. Sie lassen sich unbewusst von Panik oder Gier anstecken und handeln unüberlegt. Emotionen sind an der Börse selten ein guter Ratgeber.

Unwissenheit kann sich auch in einem Anlage-Mix zeigen, der so gar nicht zu den Zielen der Anleger passt. Altersvorsorge mit Sparbüchern, Tagesgeldkonten oder sogar Lebensversicherungen funktioniert eben in Zeiten, in den Zinsen praktisch abgeschafft sind, nicht mehr. Doch das wollen die Deutschen nicht hören und halten an ihren Minizins-Produkten eisern fest. Und genau das ist riskant: Denn nach Abzug von Steuern, Gebühren und Inflation verbuchen sie garantiert einen Verlust.

Ob sie wissen, was sie tun? „Risiko muss neu betrachtet werden“, sagt Klaus Mössle, der das institutionelle Geschäft bei der Fondsgesellschaft Fidelity in Deutschland verantwortet. „Vermeintlich sichere Anlagen wie Geldmarktanlagen und Bundesanleihen reichen seit geraumer Zeit weder zum realen Kapitalerhalt noch zur Erfüllung versicherungsförmiger Garantien. Geldmarktanlagen und kurz- bis mittelfristige Bundesanleihen führen demnach mit Sicherheit zu negativen Realrenditen.“

Für private wie institutionelle Anleger ist das eine relativ neue Erfahrung. Dass sich diese Situation schnell ändert, glauben die wenigsten Experten. Es wird dauern, bis die Notenbanken die Zinsen wieder anheben. „Das Niedrigzinsumfeld ist nämlich nicht nur eine Folge der Euro-Krise, sondern auch Vorbote einer nachhaltigen, demographisch bedingten Wachstumsschwäche in Euro-Land“, sagt Mössle. „Im Weltmaßstab treten diese Aspekte aber eher in den Hintergrund, denn die Weltwirtschaft wächst in diesem Jahr mit durchschnittlich drei Prozent.“ Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet mit 1,8 Prozent Wachstum in der Bundesrepublik. Für 2015 erwartet das Institut sogar mehr als zwei Prozent, denn das Exportland Deutschland sollte von der weltwirtschaftlichen Dynamik profitieren.

Doch die Deutschen wollen sich an ihrer Wirtschaft nicht beteiligen. Sie sind zwar stolz auf „made in Germany“, aber deshalb in Anteile eines Unternehmens investieren? Lieber nicht. Es fehlt an einer echten Aktienkultur. „Leider hält der Vorsorgestandort Deutschland mit dem unternehmerisch geprägten und international orientierten Wirtschaftsstandort Deutschland nicht mit“, sagt der Fidelity-Experte. Denn während die Unternehmen hierzulande im globalen Vergleich gut aufgestellt sind und über solide Bilanzen verfügen, gehört der Durchschnittsdeutsche zu den Ärmsten in Europa, so unglaublich das klingt – denn er verlässt sich auf Arbeitseinkommen und staatliche Rente und vernachlässigt den kontinuierlichen Vermögensaufbau durch Immobilien- und Aktienbesitz. Nach einer Umfrage des Deutschen Aktieninstitutes (DAI) ist die Zahl der privaten Inhaber von Aktien und Aktienfonds von einem ohnehin niedrigen Niveau 2013 sogar noch weiter zurückgegangen. 600.000 Menschen haben sich im vergangenen Jahr wieder von der Börse verabschiedet. Gut die Hälfte des deutschen Geldvermögens liegt in Bankeinlagen und Staatsanleihen. Aktien sind ihnen zu riskant, schließlich können sie im Kurs schwanken.

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  • Wenn man nur kaufen soll, was man versteht, kauft man gar nichts. Ich verstehe zum Beispiel überhaupt nicht, warum Banken andere Sparzinsen errechnen als Stiftung Warentest - beim selben Sparbuch?

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