Börsenweisheit
„Der Anleger ist sein eigener schlimmster Feind“

Mit der Aktienkultur ist es in Deutschland nicht weit her. Und wenn Privatanleger die Aktie für sich entdecken, dann lassen sie sich von Gier und Angst leiten. Ein Fehler, wusste schon Benjamin Graham.
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DüsseldorfDie Deutschen und die Aktie, das ist ein schwieriges Verhältnis. Zwar sind die Bundesbürger stolz auf ihre robuste Wirtschaft und auf das weltweit geschätzte „Made in Germany“, doch direkt beteiligen wollen sie sich lieber nicht an den Unternehmen. So kommt es, dass der Dax von Rekord zu Rekord eilt, doch die wenigsten Privatanleger dabei sind. Sie meiden Aktien aus Angst vor Schwankungen oder gar Verlusten. Langfristige Chancen ignorieren sie.

Gerade einmal 4,9 Millionen Menschen in Deutschland halten direkt Aktien. Das sind nur 7,5 Prozent der Gesamtbevölkerung, wie Zahlen des Deutschen Aktieninstituts zeigen. Die Bundesbürger scheuen das Risiko und horten ihre Milliarden lieber auf Sparbüchern, Tages- und Festgeldkonten oder in anderen festverzinslichen Sparformen, die unter dem Strich – also nach Abzug von Inflation, Kosten und Steuern – keine oder sogar eine negative Rendite bringen. Damit verlieren sie Geld. Doch das verdrängen die Sparer.

Dabei gäbe es Alternativen. Einer, der unermüdlich für die Aktie trommelt, ist Christoph Bruns. „Das ist eine echte Sisyphusarbeit, an der ich mich seit zwei Jahrzehnten abarbeite“, sagt der Chef der Fondsgesellschaft Loys im Interview mit Handelsblatt Online. „Die Deutschen haben einfach keine Aktienkultur. Es fehlt ihnen die Einsicht, dass Aktien eine gute Anlageform sind und es ohne Aktien auch gar nicht mehr geht.“

Doch die Argumente für Aktieninvestments stoßen bei vielen Deutschen auf taube Ohren. Dass viele Dividendenpapiere heute höhere Ausschüttungsquoten haben als vergleichbare Unternehmensanleihen, lassen sie nicht gelten. Die Chance auf zusätzliche Kursgewinne tun sie mit dem Verweis auf mögliche Verluste ab.

Den einen war das Treiben an den Finanzmärkten schon immer suspekt, sie haben Angst vor den Kursschwankungen und greifen lieber zu Anlageformen, die ihnen bis zum Tag x eine vorher festgelegte Rendite bringen. Die anderen haben schlechte Erfahrungen gemacht. Ihnen steckt der Schock nach dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrtausends und nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers auf dem Höhepunkt der Finanzkrise noch in den Knochen.

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