Börsenweisheit
Die Börse ist (k)eine Einbahnstraße

Manche Börsenweisheit ist zu einer unumstößlichen Regel geworden. Dass die Börse keine Einbahnstraße ist, gehört zu diesen klugen Sprüchen. Eigentlich. Denn langfristig sieht die Aktienwelt ganz anders aus.
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DüsseldorfWer im Spätsommer 2011 an der Börse investiert war, der weiß, wie extrem Kursrücksetzer an den Finanzmärkten sein können. Binnen weniger Wochen stürzte der Dax von mehr als 7000 Punkten auf 5000 Punkte ab. Zuvor war es zwei Jahre lang mehr oder weniger kontinuierlich aufwärts gegangen, doch dann kam der Crash.

Es war nicht das erste Mal, dass es die Anteilseigner deutscher Papiere derart hart getroffen hat. Wer bereits zu Zeiten des Neuen Marktes Aktionär war, kann sich noch gut erinnern, wie in kürzester Zeit die Luft aus einer gigantischen Spekulationsblase wich. Die Verluste waren immens. Nicht nur der Wachstumswerteindex Nemax ging in die Knie, auch der Dax stürzte ab. Der Schock sitzt bei vielen immer noch so tief, dass sie nicht mehr an die Märkte zurückgekehrt sind.

Aber vor allem in Zeiten der Finanz- und Schuldenkrise sind die Ausschläge an den Börsen immer heftiger geworden. Ein klarer Beweis dafür, dass die Börse keine Einbahnstraße ist, wie es die Börsenweisheit besagt? Das sieht Max Otte, Bestsellerautor und eigentlich als Crash-Prophet bekannt, ganz anders. „Langfristig gibt es für die Börse nur einen Weg: nach oben“, sagt der Experte. Als Beleg führt er Studien an, etwa die des bekannten amerikanischen Professors Jeremy Siegel. „Also ist die Sache mit der Einbahnstraße nur bedingt richtig“, so Otte.

Die Börse ist also eine Einbahnstraße? Eine gewagte These, könnte man mit Blick auf die Börsenentwicklung der vergangenen Jahre meinen. Doch genau da liegt das Problem. Anleger denken zu kurzfristig. Wer langfristiger anlegt, macht – das ist historisch belegt – in der Regel Gewinne. „Meistens reichen Anlagezeiträume von zwei bis drei Jahren, wenn man nicht wirklich zu teuer einsteigt“, sagt Otte. „Allerdings kann es in Einzelfällen auch schon einmal zehn Jahre und mehr dauern, bis man seinen Einsatz wieder hat.“

Auch Niels Nauhauser sieht die Börsenregel kritisch. „Diese Weisheit wird immer gerne zitiert, wenn die Aktienmärkte eine Weile gut gelaufen sind“, sagt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Die historischen Daten belegen klar eine Überrendite von Aktien gegenüber Renten.“ Diese Überrendite sei wohl auch die Prämie, die Anleger erhalten, weil die Aktien auf kurze Sicht eben keine Einbahnstraße seien. Denn kurzfristig können die Aktienmärkte natürlich kräftig schwanken. Rückschläge sind nie ausgeschlossen.

Kommentare zu " Börsenweisheit: Die Börse ist (k)eine Einbahnstraße"

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  • @NJoyTheRide: So viele Facetten der Wahrheit in so wenigen Zeilen ... Chapeau! Schöner und treffender hätte es auch der selige André Kostolany nicht formulieren können.

  • .......ja dat is ja eine Überraschung! Nä......dachte doch immer dat jet nach oben. Und jez dat. Las mich also nich von dat Ziel abbringen, und dat sind die 20-tausend. War jestern bei meine Wahrsagerin und die sachte mich.....Jung bleib dabei, wenn se alle schreien,. et jet nach unten, dann geh du nach oben. Also machen wir dat doch. Un so kümmt dat, paß mal auf.............

  • Sehr richtig, NJoyTheRide! Dem ist noch hinzuzufügen: Wer sich ein paar Gedanken gemacht hat und regelmäßig etwas Geld übrig hat (es muss gar nicht viel sein) und außerdem einen langen Atem hat (nicht ständig seine Strategie ändert), der kann sich auch mit einem Kleinwagen, notfalls sogar mit dem Fahrrad oder zu Fuß, auf diese Straße wagen und für eine lange Zeit einfach immer nur weiter fahren oder laufen – es wird sich mehr lohnen als alles andere… Literaturtipp: Thomas Claer - Auf eigene Faust. Aktiensparen für Kleinanleger (Books on Demand 2012, 10 Euro)

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